Heilige Kühe der Aquaristik – Altumskalare und Diskusfische
9. November 2009 at 21:29 | In Grundsätzliches, Netzrundschau, Paradigmen der Aquaristik | 3 CommentsTags: Altumskalar, heilige Kühe, Pterophyllum altum
Im zierfischforum.at gehen derzeit vor allem im Flohmarkt die Wogen hoch, da ein eidgenössischer Privatzüchter Altumskalare im F3-Generation feilbietet, wobei auf seiner verlinkten Homepage diesselben Bilder Verwendung finden wie bei den Inseraten eines hessischen Züchterkollegen. Das Wirrwarr ist perfekt, da nun niemand mehr den Überblick hat, wer nun Urheber der Bilder ist und wer nicht, wem man nun noch vertrauen kann und wer unter Umständen ein unseriöses Geschäft betreibt. Parallel dazu wird im Forumscafe fleißig über den Altumskalar diskutiert. Ich bin ja nun keine wirkliche Kennerin dieses Fisches, jedoch frage ich mich schon, ob er nicht langsam dem Diskus den Rang der heiligen Kuh abringt.
Es gibt einige Fischarten, um die in der Aquaristikszene meines Erachtens nach einfach zu viel Wirbel betrieben wird. Ein jeder möchte diese Fische, beispielsweise Altumskalare, seltene Diskusvarietäten oder seit einigen Jahren auch seltenere L-Welse, besitzen und sammeln. Nicht wenige Aquarianer, die von dieser Leidenschaft besessen sind, erinnern irgendwann an jene Freaks, welche allwöchentlich Flohmärkte minutiös nach dem einen bestimmten Überaschungsei absuchen um ihre Sammlung zu komplettieren. In vielen Aquarien solcher Sammler erfahren die begehrten Fische schließlich dasselbe Schicksal wie die Überraschungen aus den Schokoeiern…sie verstauben, weil es nur ganz wenigen gelingt ihnen geeignete Bedingungen zur Nachzucht zu bieten.
Ehrlich gesagt: das ist eine hauptsächlich westliche Eigenart, daß die Sammelleidenschaft leider oft in einer Sackgasse endet…naja, irgendwo steigert ja Seltenheit schließlich auch den Wert und so tröstet man sich bei ausbleibendem Nachwuchs, den man teuer verkaufen hätte können, eben mit dem Gedanken: na gut, zumindest selten ist er und bleibt mir dadurch eben auch wertvoll. Lustigerweise kenne ich dieses Phänomen ja auch nur bei langlebigeren Fischarten..was hätte es schon für einen Sinn hunderte von Euros in ein riskantes Sammel- und Nachzuchtunterfangen mit einem „Saisonfisch“ zu stecken. Irgendwie lob ich mir da die Asiaten – selbst wenn sie so verrückt sind hundertausend Dollar in einen schönen Koi zu investieren, so muß man ihnen zugute halten, daß es ja auch die Asiaten sind, welche die Aquaristik immer wieder mit sensationellen und innovativen Zuchterfolgen beglücken. Wo kämen denn sonst auch die vielen zigtausenden an Prachtschmerlen her, die in Europa noch kaum einmal jemand nachzüchten konnte? Übrigens: wußtet ihr, daß Pterophyllum altum, der Altum-Skalar, eine der 46 in Malaysien nachgezogenen Skalarvariationen darstellt? Und nebst den Indonesiern verstehen sich auch die Thai vorzüglich aufs Nachzüchten dieser heiligen Kühe:
Daß wir Europäer aber dafür einen Sinn für sehr hübsche Aquariengestaltung haben, zeigt dieses Video eines tschechischen Altumzüchters:
Die Schweinegrippe ist da…
4. November 2009 at 20:34 | In Nicht kategorisiert | 4 CommentsTags: h1n1, schweinegrippe
Quelle: feerieger/flickr.com
In letzter Zeit hatte ich recht viel um die Ohren, fühlte mich etwas überspannt und kam leider kaum noch dazu zu schreiben. Dafür schaffe ich es heute wieder, denn meine Kleine, die gestern mit Papa wegen Husten und Fieber beim Arzt war, wurde positiv auf die H1N1-Grippe getestet. Jetzt bin ich zuhause in Pflegeurlaub, denn mein Lebenspartner bekommt in seinem Job als Altenpfleger erst einmal nicht frei, solange er nicht selbst nachweislich an der Schweinegrippe erkrankt ist…daß er als Überträger das Virus ins Altenwohnheim einschleppen könnte ist seinen Vorgesetzten offensichtlich egal.
Ja, und jetzt sitze ich mit der Kleinen zuhause und warte, ob sie es noch rechtzeitig vor dem Wochenende schafft mich anzustecken, daß ich ja nichts davon habe, wenn sie dann – vermutlich bereits genesen – bei der Oma übernachtet und ich aufgrund von Schweinegrippe meine Samstagabendpläne verwerfen muß. Es ist wirklich unglaublich: in der Nacht von vorgestern auf gestern hustete sie gut 8 oder 10 Stunden ohne Unterlass und hatte starke Halsschmerzen. Heute bereits turnt sie im Wohnzimmer umher und ist kaum zu bändigen – ununterbrochen will sie Beschäftigung und schlägt sogar Purzelbäume. Dennoch muß sie die restliche Woche zuhause bleiben, denn immerhin ist die Schweinegrippe nicht mit allen Kindern so gnädig – gerade vor einigen Tagen starb ein kleines Mädchen hier in der Stadt weil die Schweinegrippe von einer bakteriellen Infektion begleitet wurde und die Lungenfunktion lahmlegte. Jetzt werde ich mir erst einmal ein Stamperl Obstler eingießen…so ein Klarer wirkt doch manchmal Wunder, wenn auch nicht gegen die Grippe, dann doch zumindest für meine Nerven (das war heute ein wirklich laaanger Tag).
Ein anstrengender Tag…
24. Oktober 2009 at 21:29 | In Zoogeschäft | Leave a CommentEin anstrengender Tag geht zu Ende. Heute mußte ich den ganzen Samstag alleine im Geschäft sein, weil der Rest unserer Crew nicht da war. Bereits zur Geschäftsöffnung am Morgen mußte ich für eine Kundin verschiedene Barsche aus den großen Schaubecken keschern, was recht zeitaufwendig sein kann bei einigen Tieren. Das ging dann so den ganzen Tag hindurch weiter, sodaß die Kunden teilweise bis zu einer halben Stunde warten mußten bis sie an die Reihe kamen. Ich bin sehr froh, daß alle so geduldig mit mir waren – lediglich eine Dame zog etwas traurig ab, weil sie nicht mehr warten wollte. Zwischenzeitlich habe ich mir dann noch meine Lendenwirbelsäule verrissen, was sehr schmerzhaft war, und ich mußte mir erst einmal ein Aspirin einwerfen um mich überhaupt noch bewegen zu können.
Irgendwann kommt an so einem Tag der Punkt, wo man in eine Art Rausch verfällt und die Zeit, sowie auch das Durst- und Hungergefühl, vergißt. Erst nach Geschäftsschluß so gegen 17.30 Uhr konnte ich erstmals durchatmen, verschlang mein Jausenbrot, das ich mir eigentlich als Mittagessen mitgebracht hatte und versorgte die letzten Tiere, bei denen es noch nötig war. Etwa zu dieser Zeit rief ich dann noch meinen Chef an und berichtete ihm vom Tag und vom Kassastand…er meinte dann, wenn ich so einen Tag so gut überstehe, dann hätte ich ja eigentlich noch mehr Reserven. Hahaha, schlechter Scherz!
Als ich hinterher im Auto saß um meine Tochter bei der Oma abzuholen, da kam es mir vor als wäre mein Kopf auf doppelte Größe angeschwollen…ein sehr seltsames Gefühl. Nach einem Kaffee bei der Oma ging es samt Töchterchen ab nach Hause, wo ich dann gegen 19 Uhr eintrudelte und wo schon die Katze hungrig auf uns wartete. Flugs noch die Meerschweinchen gefüttert und dann hieß es auch noch: „Komm Mama, jetzt machen wir noch eine Party mit den Barbies.“ Leider hatte ich ganz vergessen, daß meine Kleine am Vortag ihr Kinderzimmer komplett verwüstet hatte und so mußten wir uns erst einmal eine halbe Stunde durch My-Little-Ponies, Plüschtiere, Plastikdinosaurier, das halbe Kleiderschrankinventar und eine Unmenge an Puppen-Accessoires kämpfen um Platz für den Barbie-Supergau zu schaffen. Nach einer weiteren halben Stunde Barbies-spielen gab ich dann erschöpft auf und verschmolz erst einmal mit dem Sofa…auf das ich mich nach diesen Zeilen auch gleich wieder zurückziehen werde. Gute Nacht…
Von roten Neons und Violinen…der Philantrop Herbert R. Axelrod
18. Oktober 2009 at 20:17 | In Who is Who | Leave a CommentTags: Herbert R. Axelrod, Roter Neon
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Quelle: wikipedia.org
In der Nähe von Toronto (Ontario, Kanada) - an der University of Guelph - gibt es ein Fischforschungsinstitut, das Axelrod Institute of Ichtyology. Die Institutsgründung und ihre Namensgebung gehen auf Dr. Herbert R. Axelrod, einen Millionär und Philanthropen zurück, welcher der Universität eine große Sammlung an Fischfossilien überließ. Der Fischforscher und Violinist sammelte allerdings nicht nur Fische und Fossilien, sondern auch teure und seltene Musikinstrumente, weswegen er auch in die Schlagzeilen geriet, weil Zweifel an Echtheit und Wert der Stücke, die er einem Orchester in New Jersey verkauft hatte, aufgekommen war. Einige ganz besonders teure Instrumente übergab Axelrod dem Smithonian Institut – vier Stradivaris im Schätzwert von etwa 50 Mio. US-Dollars gab er als Spende, 30 weitere Instrumente (eine auf 49 Mio. geschätzte Kollektion) verkaufte er an das Museum für circa 18 Mio. Dollar.
Herbert R. Axelrod, Jahrgang 1927 und Kind jüdischer Immigranten, ist nicht nur Autor zahlreicher Publikationen über Zierfische (z.B. Atlas der Süßwasser Aquarienfische, Diskus-Atlas, uvm…), sondern auch Gründer der Zeitschrift „Tropical Fish Hobbyist“. Besonders bekannt wurde der Name Axelrod vor allem durch den von Leonard P. Schulz entdeckten roten Neon, der nach dem engagierten Ichtyologen Paracheirodon axelrodi benannt wurde. Weitere Fischarten, in denen sich der Name dieses passionierten Aquarianers widerspiegelt, sind z.B. Sundadanio axelrodi ( Axelrods Bärbling) oder Cynotilapia axelrodi (Pseudotropheus „kingsizei“), sowie Corydoras Axelrodi (Rosafarbener bzw. Axelrods Panzerwels)
Axelrod wurde vor einigen Jahren von amerikanischen Gerichten verurteilt, weil er offenbar etliche Dollarmillionen, z.B. aus den Verkäufen von wertvollen Musikalien, auf Schweizer Bankkonten transferiert hatte ohne davor die Steuern dafür zu begleichen. Im Juni 2004 verhaftete man Herbert R. Axelrod in Berlin und lieferte ihn an die USA aus, wo er im April 2005 eine Strafe von 18 Monaten Gefängnis wegen Steuerhinterziehung antrat. Bereits im Oktober war er wieder auf freiem Fuße – eine ausführliche Beschreibung samt Bildmaterial über diese schillernde Persönlichkeit findet der geneigte Leser unter http://judicial-inc.biz/axelrod.htm
Ein Auszug daraus illustriert auf amüsante Art und Weise den kauzigen Charakter des Lebemannes Herbert R. Axelrods:
Axelrod Declares Himself A Doctor And Hires A Biographer
His biographer writes: - „As an author, university professor, lecturer, publisher, editor, explorer, adventurer and scientist, Herbert R. Axelrod is the world’s best-known tropical fish experts in the world. At age six he speaks five languages, at age 10 he swims Lake Ontario. Next we have this ‘ Street hustler from Brooklyn ‘ in the Amazon catching crocs with King Leopold III , studying under Einstein , talking fish with the Japanese Emperor Hirohito, and advising Winston Churchill. http://judicial-inc.biz/axelrod.htm
Einen seiner verrücktesten Coups landete er aber wohl in den 60er Jahren, als er zum Amazonas gesandt wurde um einen schwarzen Leoparden für Disney zu fangen: er kaufte einfach zwei Großkatzen, die er schwarz einfärbte. Aber auch in aquaristischen Belangen war er wohl ein kleiner Baron Münchhausen, denn die vermeintlich seltene Fischspezies, die er in den Kanälen vor dem Trinidad-Fluhafen entdeckt haben soll, stellte sich später einfach nur als Glückskauf in einem Zoogeschäft heraus. Herbert R. Axelrod lebt laut einem Update der fritz-reuter.com im Jahr 2007 in Zürich.
Neugierige Fische
13. Oktober 2009 at 20:09 | In Grundsätzliches | 7 CommentsTags: Betta splendens, Kampffisch
Quelle: shir_M/ flickr.com
Wie bekommt man Kampffisch-Weibchen in die Tüte ohne sie einzufangen?
Ganz einfach: Man nehme einen Beutel mit siamesischen Rüsselbarben, schlitze diesen seitlich auf und lege ihn ins Aquarium mit den Kampffisch-Damen. Anschließend gehe man zur Mittagspause. Nach etwa einer halben Stunde kehrt man schließlich zurück und stellt verblüfft fest, daß alle Rüsselbarben den Beutel verlassen haben und, daß alle – aber auch wirklich alle – Kampffische im Plastikbeutel sitzen.
Es gibt nicht viele Fische, die so neugierig sind wie Betta splendens -Weibchen. Selbst wenn man mit dem Kescher im Verkaufsbecken einen bestimmten Fisch verfolgt, so kann man sich sicher sein, daß man ohne es zu beabsichtigen mindestens drei oder vier dieser Tierchen im Netz sitzen hat – sie haben sozusagen eine gewisse “Nimm mich mit!“-Manier ähnlich wie Guppies, welche auch häufig aus eigenem Antrieb in den Kescher einzusteigen pflegen. Wenn Kampffischweibchen in der Natur von ebensolcher Neugierde geplagt sind wie in unserer Verkaufsanlage, so frage ich mich wirklich, wie es dieser Art gelingt zu überleben.
Günther Sterbas „Aquarienkunde“
10. Oktober 2009 at 21:29 | In Who is Who | Leave a CommentTags: Aquarienkunde, aquaristik, Corydoras sterbai, Günther Sterba
Letzte Woche habe ich in einem Second-Hand-Laden die Bücher Aquarienkunde I und II von Günther Sterba ergattert. Ich habe ja ein Faible für antiquarische Aquaristikliteratur und da gehören auch Sterbas Werke bereits dazu. Was mich an diesen beiden Bänden ganz besonders beeindruckt, das ist das umfangreiche Basiswissen, das in den meisten Belangen noch nichts an Gewicht verloren hat.
Im ersten Band (der 2. Auflage von 1960) beschreibt Günther Sterba alle Details beginnend von Aufbau und Gestaltung eines Aquariums (damals noch meistens Rahmenaquarien) und zeigt sogar Fotographien der großen Schrankaquarien in seinen eigenen Wohnräumen (z.B. ein ums Eck gebautes Aquarium mit fast 7 Metern Front). Er erläutert weiters die chemischen Abläufe und die relevanten Wasserwerte im Aquarium, sogar ein Kapitel über Gerbstoffe (ein momentan recht aktuelles Thema) hat er beigefügt. Von verschiedenen technischen Dingen geht er schließlich über zu Anatomie und Zucht von Fischen, welches einmündet in einen sehr umfangreichen Teil, der Futtermittel und Futtertiere beschreibt (damals war noch das Tümpeln angesagt). Anschließend erfährt man Wissenswertes über unbekannte Tiere und Pflanzen, die sich oft ungebeten in Aquarien hineinschwindeln und eine Einführung über Algenbekämpfung. Die zweite Hälfte des ersten Bandes ist schlußendlich auf über 170 Seiten den Fischen gewidmet.
Der zweite Band (der 5.Auflage von 1972) beschäftigt sich 120 Seiten lang ausführlich mit Fischkrankheiten – derart explizit hat noch kein Autor diesen Themenbereich in einem Aquaristik-Überblickswerk bearbeitet. Danach erläutert Sterba die Aquarien- und Paludarienpflanzen und er endet mit einem letzten Abschnitt über Riffaquaristik, der mit knapp über 50 Seiten leider nur einen groben Überblick über die salzige Seite der Aquaristik bieten kann.
Bildquelle: Nymphaea Leipzig 1892 e.V. – www.nymphaea-leipzig.de; aus der Festschrift zum 110-jährigen Bestehen des Vereines.
Wer aber war nun Günther Sterba eigentlich? Viele unter uns Aquarianern kennen seinen Namen von bestimmten Fischen, die nach ihm benannt wurden, nämlich Corydoras sterbai (der „Orange-Schönflossenpanzerwels“ oder auch „Netzpanzerwels“). Sterba (Jahrgang 1922) war ein ostdeutscher Zoologe, der an der Universität Leipzig lehrte und Direktor des dortigen Zoologieinstitutes war. In vielen wissenschaftlichen Akademien war er Ehrenmitglied und er belegte das Amt des Vizepräsidenten der FBAS (Federation of British Aquatic Societies). Neben der Aquaristik, die er von 1934 an betrieb, beschäftigte er sich gerne mit Neunaugen und Olivenschnecken (räuberischen marinen Schnecken). Außerdem war er spezialisiert darauf Bilder aus Achatsteinen zu schleifen, ein sehr seltenes Hobby verglichen mit der Aquaristik, die inzwischen Millionen von Menschen rund um den Globus begeistert. Günther Hans Wenzel Sterba hat maßgeblich dazu beigetragen die Aquaristik voranzubringen und zu verbreiten.
Großhändleranlage in Singapur – Zucht und Export
6. Oktober 2009 at 18:02 | In Aus der weiten Welt | Leave a CommentTags: aquaristik, zierfische, Zierfischgroßhandel, Zierfischimporte
AquanetTV hält einen besonders informativen Beitrag über einen Exporteur aus Singapur bereit – das Firmenlogo (ein Wimpelkarpfen) kannte ich ja bereits von den Kartons unseres Fischlieferanten, aber der AquanetTV-Blick hinter die Kulissen des Zierfischgroßhändlers Quian Hu hat mich beeindruckt. Wer auch schon immer einmal wissen wollte, woher ein Großteil unserer Zierfische stammt, dem sei diese 11-minütige Dokumentation ans Herz gelegt: Großhandel Singapur
Beleuchtungsdauer und andere technische Finessen…
6. Oktober 2009 at 17:24 | In Grundsätzliches | 2 CommentsTags: Aquarienfilter, Beleuchtungsdauer, Filter, Terrarienbeleuchtung
In letzter Zeit fiel mir ganz besonders auf wieviele Kunden sich in keinster Weise mit dem von ihnen bereits betriebenen oder in Kürze angestrebten Hobby auseinander gesetzt haben.
Erst vergangene Woche fragte mich ein Kunde, der (entgegen meinem Ratschlag) schon einige Wochen bis Monate Goldfische in einem 54-Liter-Set hält, ob er eigentlich den Filter dauernd in Betrieb haben müsse, da er den Filter bisher immer nur tagsüber in Betrieb hatte. Erstaunt – weil ich eigentlich davon ausging, daß das inzwischen bei jedem Aquarienbesitzer bekannt wäre – sah ich ihn an und erklärte ihm: „Natürlich muß der Filter 24 Stunden am Tag in Betrieb sein – sonst sterben ja die Filterbakterien ab, die im Filtermaterial sitzen und beim nächsten Einschalten bläst man sich den ganzen abgestorbenen Dreck dann ins Aquarium hinein.“
Eine weitere Frage, die immer wieder an mich herangetragen wird, höre ich zumeist von Leuten, die gerade ein Schildkrötenaquarium oder ein Terrarium einrichten: „Muß die Beleuchtung dann Tag und Nacht durchlaufen, oder?“ Ähm…was soll man dazu sagen? Die Leute sollten ja eigentlich wissen, daß man in einem Aquarium, Aquaterrarium oder Terrarium stets bemüht sein sollte die naturgegebenen Umweltbedingungen eines Tieres so gut als möglich nachzustellen…die einzig mir bekannten Orte, an denen täglich 24 Stunden nonstop Tageslicht vorhanden ist, das sind die Arktis und die Antarktis, wenn sie gerade den Polarsommer erfahren. Ich bin sehr zuversichtlich, daß die Polkappen ziemlich reptilien- und amphibienfrei sind, insofern: „Nein, natürlich müssen Sie die Beleuchtung in der Nacht abschalten – in der Natur haben die Tiere auch nicht 24 Stunden am Tag Sonne.“
Weil wir gerade bei den technischen Feinheiten angelangt sind – neulich wollte ein Kunde mit Aquaristikbestrebungen ungefähr wissen, wieviel Strom die technischen Geräte im Aquarium ungefähr benötigen werden. Als unser Lehrling im erzählte, daß der Heizer ein 100 Watt-Gerät sei, da fiel er aus allen Wolken. Ich konnte ihn allerdings beruhigen: „Der Heizer schaltet sich erst dann ein, wenn die Temperatur unter den von ihnen eingestellten Wert absinkt – ein intakter Heizstab heizt nicht ununterbrochen mit 100 Watt weiter.“ Da entspannte er sich dann gottseidank wieder.
Ein weiteres technisches Detail, das Kunden an den Rand der Verzweiflung treiben kann, ist eine gebrochene Keramikachse im Filter. Vielen Leuten ist nämlich nicht bewußt, daß bei vielen Innen- und Außenfiltern die Turbine bzw. der „Propeller“, der das Wasser pumpt, auf einer Keramikachse hängt. Ich weiß zwar selbst nicht genau, weshalb einige namhafte Hersteller, z.B. Eheim, ihre Pumpen nun nur mehr mit diesen zerbrechlichen Teilen bestücken und nicht mehr mit Metallachsen, aber vielleicht liegt der Grund ja in der Korrosionsbeständigkeit von Keramik begründet…außerdem kann man so ja auch wesentlich mehr Umsatz durch Ersatzteile erzielen. Jedenfalls kommen immer wieder besorgte Kunden mit ihrem streikenden Filter zu uns ins Zoogeschäft – bei der Begutachtung des Gerätes fällt dann nicht selten die gebrochene Keramikachse auf, welche üblicherweise rasch und einfach ersetzt werden kann.
Der Schwammerlzüchter
30. September 2009 at 20:46 | In Erlebnisse mit Kunden | Leave a CommentTags: Magic mushrooms, Psilocybin, Zauberpilze
Heute kam ein junger Mann in den Laden um ein Hygrometer und ein Thermometer zu kaufen. Als mein Chef ihn fragte für welche Art von Terrarium er die Dinge denn benötigen würde, meinte er, daß er sie für seine Champignonzucht bräuchte. „Jaja“ dachte ich mir still und heimlich, „Champignons…so siehst du mir aus.Wohl eher narrische Schwammerl.“ Ich mußte schmunzeln, denn angesichts der spottbilligen Preise für frische Champignons im Supermarkt wäre es doch eher übertrieben fast 20 Euro für diese Meßinstrumente hinzublättern. Ich bin mir ziemlich sicher, daß der junge Mann einen dieser Selbstbausätze für Psilocybin-Pilze zuhause hatte, die es beispielsweise in Hollands Coffee-Shops zu kaufen gibt.
Mann lernt nie aus…
30. September 2009 at 20:34 | In Skurriles | 3 CommentsTags: Skurriles, Wachtel, Zwergwachtel
Quelle: PhiJu/ wikipedia.com
Als heute die bestellte Lieferung an Kleingetier im Zoogeschäft einlangte, stand ich mit einer Bekannten draußen am Parkplatz. Als wir gerade unser Gespräch beendeten, kam mein Chef mit einer Schachtel aus der Ladentür und meinte: „Ich muß euch etwas zeigen.“ Er nestelte geheimnisvoll an der Pappschachtel herum, worauf meine Bekannte und ich einen kleinen Schritt zurück traten und besorgt fragten: „Das ist aber wohl hoffentlich nichts das uns anspringt, oder?“
Cheffe meinte: „Aber nein, die hopsen höchstens ein kleines bißchen.“ und dann hob er erwartungsvoll den Deckel des Kartons hoch und….und HUSCH! weg war sie! Ein kleiner brauner Vogel flog in hohem Bogen aus seinem Gefängnis hervor und schoß gut 20 Meter über die Strasse unter ein parkendes Auto. Ich war verwirrt und dachte im ersten Augenblick, ob mein Chef uns einen Streich spielen wollte indem er einem Sperling die Freiheit gönnte. Zuzutrauen wäre es ihm nämlich, da er die Käfighaltung von Vögeln nicht leiden kann (was auch der Hauptgrund dafür ist, daß wir im Geschäft keine Vögel führen). Ich starrte verdutzt meine Bekannte an und erntete einen identischen Blick von ihr, dann stierten wir fassungslos meinen Boss an. Er warf uns einen ebenso entgeisterten Gesichtsausdruck zurück und stammelte: „Die können ja fliegen!“
Dann erläuterte er, daß der Flüchtling eine Wachtel gewesen sei und flugs eilte ich mit ihm in den Laden um die großen Fischkescher zu holen. Meine Bekannte versuchte einstweilen zu verhindern, daß der verschreckte Vogel zurück auf die Strasse flatterte. Wir beeilten uns mit den Fischnetzen zurück zum Schauplatz und konnten die Wachtel dann doch erstaunlich einfach wieder einfangen, da sie offenbar nicht allzu scheu war. Jaja, Mann lernt nie aus – auch Wachteln können fliegen.
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