Futtertiere I
April 11, 2008 at 3:16 | In Denkwürdiges | 1 CommentTags: Futtertiere, Tierschutz
Quelle: ShoTiMo/pixelio.de
Kürzlich übernahmen wir im Geschäft zwei Kaninchen samt Käfig aus privater Hand, weil das Kind der Besitzer eine Allergie entwickelt hatte. Die Leute trauten sich nicht, die Kaninchen im Tierheim abzugeben, weil sie Angst hatten dumm angeredet und kritisiert zu werden…ihnen ein Plätzchen zu suchen, dauerte den Besitzern wohl zu lange. Etwa 1 Woche nach der Aufnahme der beiden Tierchen, stellte ich fest, daß eines davon verwachsene Zähne hatte – die oberen Nagezähne wuchsen zurück bis an den Gaumen, die unteren standen im Überbiss hervor. Ich teilte dies meinem Chef mit und wir überlegten, es dem Tierarzt, der hie und da in unserem Geschäft Nachschau hält und uns in Krankheitsfällen berät, zu berichten. Allerdings wußten wir nicht, wann dieser das nächste Mal zu uns zur Kontrolle kommen würde, daher wurde das Häschen noch am selben Tag einem Würgeschlangenbesitzer als Futtertier verkauft – es konnte ja auch kaum mehr richtig fressen und war seinem Kumpel gegenüber weit im Wachstum zurück. Ob es Schmerzen hatte, konnten wir auch nicht wirklich einschätzen. Mir tat es allerdings sehr leid um das Kaninchen, denn es war ganz lieb und zahm, aber ich denke mir auch - es wäre nicht korrekt gewesen dem Schlangenbesitzer ein weniger zutrauliches, hingegen völlig gesundes Tier mit zu geben.
Man steckt da wirklich in einem Dilemma…immerhin wäre es auch nicht in Ordnung gewesen, das Kaninchen mit der Zahnfehlstellung einfach einem Kunden aufzuschwatzen und so zu tun als wüßten wir nichts davon- vermutlich hätte das Tier lebenslanger tierärztlicher Betreuung (Zähnekürzen) bedurft, was ja auch eine ziemliche Qual für das Tier und ein Kostenfaktor für die Besitzer ist. Das Tier direkt in die Ordination zu bringen oder gar den Tierarzt extra dafür in den Laden zu bitten, wäre zwar der richtige Weg, aber für einen Zoohändler selten ein finanzierbarer. Man muß bedenken, daß der Zoohändler auch wirtschaftlich denken muß – er hat Familie zu ernähren, muß Personalkosten tragen und die investierten Ausgaben wieder hereinbringen. Nicht zu vergessen die horrenden Betriebskosten, die ein schwerpunktsmäßig auf Aquaristik ausgelegtes Zoogeschäft mit sich bringt.
Das sind die Erfahrungen im Zooladen, die mich jedes Mal sehr mitnehmen und mich beschäftigen – sie sind der kleine schwarze Fleck, der mich an meinem so liebgewonnenen und gerne betriebenen Job im Zooladen ankotzt.
Weitere Probleme, die die Verfütterung und der Verkauf von “Futtertieren” mit sich bringen, werde ich in weiteren themenbezogenen Episoden erörtern. Das ganze Thema ist recht komplex, sowohl aus ethischem als auch gesetzlichen Blickwinkel.
Wenn Sie, lieber Leser, einen Nager haben, kuscheln Sie ihn jetzt erst mal innig und freuen Sie sich mit, daß ihm das Schicksal eines Futtertieres erspart geblieben ist.
1 Kommentar »
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Ich hatte schon einige Nager als Haustiere, viel mehr habe ich aber verfüttert, so eine Boa schlingt schon was weg.
Nur ist diese jetzt im Zoo, weil es meinen Eltern damals zuviel wurde (Platzverbrauch etc.). Ob ich ein Kaninchen verfüttern könnte? Die schauen einen ganz anders an als Mäuse *g*
Kommentar von Matthias — Mai 3, 2008 #