Futtertiere II
12. April 2008 at 10:47 | In Denkwürdiges, Grundsätzliches | Leave a CommentTags: Futtertiere, Reptilienhaltung, Tierschutz
![]()
Quelle: pariah083/pixelio.de
Laut dem österreichischen Bundesgesetzblatt 2004/Verordnung 486 für Tierhaltung heißt es: „Ist es notwendig Wirbeltiere zu verfüttern, so sind nach Möglichkeit frisch tote Futtertiere zu verwenden.“ Auch in Deutschland dürfen Wirbeltiere eigentlich nicht lebend verfüttert werden, das zeigte erneut der Wirbel um Eisbär Knut, der zu gerne seine Karpfen selbst gefangen hätte. Der Artikel 17 des deutschen Tierschutzgesetzes bestraft jeden, der ein Wirbeltier ohne nötigen Grund tötet, d.h., wenn eine Totverfütterung möglich ist, muß sie der Lebendverfütterung vorgezogen werden.
Es steht einem Reptilienhalter aber nur in Ausnahmefällen zu, daß er Wirbeltiere selbst tötet, weil dafür im Grunde ein Sachkundenachweis vonnöten wäre (d.h. ein veterinärmedizinisches oder zoologisches Studium, eine Jagdkarte, o.ä.). In Deutschland verhält sich die Situation ähnlich: „Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat.“ Aus diesem Grunde bietet der Zoohandel gefrorene Futtertiere an, die auf Körpertemperatur erwärmt und anschließend verfüttert werden. Sowohl die Verfütterung von lebenden als auch von Tiefkühlfuttertieren birgt meiner Ansicht nach Vor- und Nachteile.
Die Tiefkühltiere sind leicht einzulagern, daher können sie auf Vorrat gebunkert werden und ihre Verfütterung entspricht den gängigen Tierschutzbestimmungen. Der Nachteil hingegen ist, daß viele Reptilien Tiefkühlfuttertiere nicht akzeptieren und man selten Tiefkühltiere im Handel erhält, die größer als Ratten sind. Was, wenn die Schlange das Tiefkühltier nicht akzeptiert – man kann es ja nicht einfach wieder einfrieren – ist das nicht ein verschwendetes Leben? Im übrigen konnte ich bis dato nichts über die Produktion und das Tötungsverfahren von solchen Futtertieren in Erfahrung bringen – werden diese wirklich tierschutzkonform aufgezogen und getötet? Oder müssen sie unter laborähnlichen Massenhaltungsbedingungen bis zu ihrer Tötungsreife heranwachsen? Ich weiß es nicht, möchte der Sache aber nachgehen.
Lebende Tiere hingegen haben Stress – beim Kauf und Transport und unter Umständen noch bei der Verfütterung. Mitunter verletzt das Reptil das Tier nur und frißt es nicht, oder es tötet das Tier und frißt es u.U. auch nicht. Zumeist jedoch geht die Verfütterung lebender Tiere gut, denn sie lösen einfach einen klareren Freßreiz beim Reptil aus als ein Tiefkühltier – lebende Tiere ermöglichen es dem Reptil seinen natürlichen Jagd- und Fressgewohnheiten nachzukommen und gewährleisten dadurch das Ausleben natürlicher Verhaltensweisen (Ein carnivores Reptil im Terrarium hat ja sonst nicht viel zu tun…). Ein weiterer Nachteil ist natürlich auch, daß das Futtertier dem Reptil ernste Verletzungen beibringen könnte. Wenn das Reptil darüber hinaus u.U. noch keinen Appetit hat, fehlen oft die nötigen Unterbringungsmöglichkeiten für das Futtertier – das sollte man bedenken und entsprechend vorsorgen.
Ein weitere Punkt, der mich beschäftigt, ist, wenn Reptilienhalter – selten aber doch - lebende Babymäuse im Zooladen bestellen und sie dann nicht nach der Anlieferung gleich abholen – wenn die kleinen Mäuschen dann nicht gleich abgeholt werden, müssen sie qualvoll verenden, da sie keinerlei feste Nahrung annehmen können. Wenn der Zoohändler dann nicht selbst Reptilien vor Ort hat, die die Babymäuse dankbar verspeisen, dann sind das nur weitere vergeudete Leben!
Noch keine Kommentare »
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI
Kommentieren
Bloggen Sie auf WordPress.com. | Theme: Pool by Borja Fernandez.
Entries and comments feeds.