Papageienbuntbarsche

April 30, 2008 at 7:42 | In Denkwürdiges | Leave a Comment
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Unlängst übernahmen wir von einem Kunden Papageienbuntbarsche (Red Parrot) zur vorübergehenden Pflege – die Tiere zogen in einem großen Malawibecken ein und setzten sich auch bei der Fütterung gut durch. Das inspirierte meinen Chef auch einige für unser Angebot zu bestellen – ich persönlich bin da sehr zwiegespalten. Einerseits sind diese Fische für einen Liebhaber sehr nette Pfleglinge und erweisen sich als sehr robust im Aquarium, andrerseits wird diese Fischhybridzüchtung als Qualzucht stark diskutiert. Wolfgang Staeck hatte dazu einmal einen Artikel geschrieben: http://www.aquaterralev.de/fachbeitraege/aquaristik/qualzuchtenstaeck/

Ich finde zwar nicht, daß ihr Verhaltensrepertoire im Vergleich zu anderen Cichliden stark eingeschränkt ist, aber ich pflichte den Kritikern auch bei, wenn sie sagen, daß es ethisch nicht korrekt ist, einen Fisch zu züchten, der so starke Reproduktionsprobleme hat und, bei dem seitens der Züchter (zumeist in Asien) immer extremere Körperformen angestrebt werden. Staeck schreibt dazu:

Schließlich gibt es eindeutige Anzeichen dafür, daß der Papageienbuntbarsch unter rezessiven Letalfaktoren leidet (Stratton 2000; Hanneman 2000). Zwar ist es möglich, die Fische zur Laichabgabe zu bringen, wiederholte Zuchtversuche ergaben aber immer wieder, daß aus den Eiern allenfalls nur ganz wenige Larven schlüpfen, die dann nur wenige Tage überleben. Die Vermehrung des Papageienbuntbarsches mit einem reinerbigen Paar dieser Zuchtform ist daher nicht möglich, sondern sie gelingt nur mit mischerbigen Individuen, die aus einer Rückkreuzung mit einem normalen Partner hervorgehen.

Ein weiterer sehr gut recherchierter Artikel zum Thema von Peter Buchhauser: http://www.buchhauser-peter.de/berichte/qualzuchten.html

Da auch die bei uns im Laden vorrätigen Genspender der Red Parrots, nämlich die Amphilophus Citrinellus (Zitronenbuntbarsche), regelrechte Ladenhüter sind (sie gelten ja als sehr aggressiv), denke ich, daß auch die Papageienbuntbarsche kein wirklicher Verkaufsschlager sein werden. Inzwischen eilt ihnen ja ihr Ruf als Qualzuchten voraus, außerdem werden sie sehr groß und sie sind schon aus diesem Grunde eher schlecht verkäuflich. Große Fische finden allgemein eher wenige Liebhaber – schon seit Monaten warten bei uns im Geschäft einige Pfauenaugenbuntbarsche und andere Riesen, die wir aus privater Hand übernommen haben, auf einen neuen Besitzer mit einem großen Aquarium.

Vor einiger Zeit brachte uns jemand zwei Ranchu-Hochzuchtgoldfische in den Laden – ich glaube, es dauerte 4 oder 5 Monate bis wir die beiden verkaufen konnten. Wenn sich da nicht jemand dazu ein neues Aquarium leistet, ist das für uns nicht wirklich rentabel, denn die Tiere beschlagnahmen über Monate (oder länger) ein Verkaufsbecken und gefüttert werden müssen sie ja auch. Ich denke, unsere Kunden haben im allgemeinen einen eher bodenständigeren Geschmack, viele pflegen außerdem Gesellschaftsbecken, in die sich solche Sonderlinge oft nur mäßig integrieren lassen. Naja, mal sehen, wie sich die Sache mit den Papageienbuntbarschen weiter entwickelt.

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