Anforderungsprofil eines Zoohändlers
Mai 7, 2008 at 5:23 | In Grundsätzliches | Leave a CommentTags: Azubi/ Lehrling, Zoofachhandelslehre, Zoofachhändler
Ich stehe erst am Anfang und das merke ich in meiner Arbeit tagtäglich aufs Neue, denn im Zooladen muß man wirklich ein Tausendsassa sein. Im Grunde hatte ich etwas anderes gelernt – zu meinem Job im Zooladen bin ich gekommen, weil ich eine begeisterte Aquarianerin bin und seit meiner Kindheit immer jede Menge Haustiere um mich hatte, dazu kamen Vorerfahrungen im Verkauf (allerdings in einem anderen Bereich). Mein Wunsch war jedoch immer im Bereich Tiermedizin oder Tierpflege zu arbeiten – gescheitert ist dies jedoch damals nach Abschluss meiner Schulausbildung daran, daß ich dafür viele hundert Kilometer hätte wegziehen müssen, weil in unserer Region weder eine veterinärmedizinische Universität, noch eine Ausbildungsstelle als Tierpflegerin vorhanden war. Umso enthusiastischer bin ich dafür in meiner jetzigen Tätigkeit, da ich jetzt endlich einer Arbeit mit Tieren nachgehen kann.
Jeden Tag lerne ich dazu. Darüber hinaus muß ich noch mithelfen unseren Lehrling einzuarbeiten, der speziell im aquaristischen Sektor keine Erfahrung hat. Ich bin froh, daß unser Lehrling ein sehr tüchtiger und interessierter Mensch ist – einige vorangegangene Lehrlinge sind recht rasch gescheitert, weil sie vermutlich falsche Vorstellungen vom Beruf des Zoohändlers hatten. “Häschenstreichler” werden zumeist rasch desillusioniert, denn dieser Beruf ist nicht immer nur angenehm. Zum einen muß man als Kaufmann auch wirtschaftlich denken, zum anderen muß man sich ein immenses Fachwissen aneignen, d.h. man muß Kunden zu all den tausenden Produkten Informationen geben können, die in einem Zooladen lagernd sind. Man muß darüber hinaus über die Haltunganforderungen der verschiedenen Tierarten Bescheid wissen, die man verkauft – bei uns sind das etwa 8-10 Nagerarten, Frettchen, diverse Reptilien- und Amphibienarten, einige Insekten- und Spinnenarten und an die 400-500 verschiedene Fisch- und Wirbellosenarten. Stets wird man mit neuen Produkten oder neuen Tierarten konfrontiert, darum muß man gewillt sein, sich auch hier Stück für Stück einzuarbeiten. Schon alleine die Bereiche Aquaristik und Terraristik sind derart breitgefächert – es ist unmöglich irgendwann alles darüber zu wissen, aber mit einer gewissen Lernbereitschaft gelingt es immer weiter in diese Fachbereiche einzutauchen.
Zoohändler zu sein, bedeutet auch dreckige oder unangenehme Arbeiten zu machen – die Räumlichkeiten müssen geputzt werden (auch das Klo), Tiere müssen ausgemistet werden, gelegentlich müssen Krankheiten oder Verletzungen behandelt werden und gerade bei Fischen muß man hie und da auch einen Fisch rasch und schmerzlos erlösen. Bei der Vergesellschaftung zweier bei uns abgegebener, ausgewachsener Bartagamen mit einer bereits vorhandenen adulten Bartagame kam es unlängst zu einer Beißerei – dabei wurde einem Tier ein Zeh bis auf den Knochen abgebissen. Das verletzte Gewebe heilte dank der Behandlung mit einer antibiotischen Salbe sehr gut ab, aber das letzte Zehenglied war nicht mehr zu retten – es hing nur mehr am blossen Knochen, und um Folgeverletzungen und Schmerzen durch dieses abstehende, abgestorbene Zehenglied zu vermeiden, mußte ich es rasch amputieren. Weitere wirklich unangenehme Tätigkeiten, die auf einen zukommen können, sind das Ausputzen der Perianaldrüse eines Meerschweinschenbockes, das Entfilzen eines zappelnden Kanichens und die Geschlechtsbestimmung bei einem sich wehrenden, zwickenden Hamster.
Wenn jemand in dieses Berufsfeld einsteigen möchte, wäre es auch sehr gut über ein gewisses handwerkliches Geschick zu verfügen. Käfige, Terrarien und Aquarien müssen technisch ausgestattet werden und auch elektrische Anschlüsse gehören bei Bedarf repariert und gewartet. Gerade heute war eine Tierärztin bei uns um ein krankes Reptil zu untersuchen und kritisierte dabei (und das nicht zu unrecht) einige Mängel an der Beleuchtung einiger unserer Terrarien. Natürlich muß das nun optimiert werden, das heißt, ich muß vermutlich in den nächsten Tagen erst mal basteln…(oder meinen Chef davon überzeugen
)
Darüber hinaus sollte ein Zoohändler einen höflichen Umgang mit Menschen haben und auf sie hilfsbereit und offen zugehen - wer sehr introveriert ist, tut sich damit eventuell etwas schwer. Wie man sieht, hat dieser Beruf sehr viele Facetten – dessen sollten sich auch junge Leute bewußt sein, die eine Lehre im Zoofachhandel anstreben, dann hat das auch Zukunft.
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