Tiefkühlmäuse und CO2-Tötung

Juli 2, 2008 at 3:40 | In Denkwürdiges | 4 Comments
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Heute fragte ich den Vertreter eines unserer Grosshändler, ob er denn wisse, ob eigentlich Tiefkühlmäuse vor dem Einfrieren irgendwie abgetötet werden. Er meinte, daß die Mäuse bei seriösen Herstellern normalerweise mit CO2 anästhesiert werden und dann lebendig eingefroren werden.

Ich finde das etwas bedenklich, da gerade Mäuse das CO2 ja wahrnehmen können und es normalerweise vermeiden versuchen, wie neueste Studien belegen:

Im Gegensatz zu Stechmücken fanden die Tiere das Gas nicht anziehend, sondern versuchten, es zu vermeiden, schreiben die Forscher. http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/natur/zoologie_aid_70028.html

Ob die Tiere dadurch nicht womöglich Panik erleiden? Im allgemeinen wird die Narkotisierung oder auch das Einschläfern von Mäusen mittels CO2 als probates Mittel anerkannt – ich bin da noch sehr skeptisch…im übrigen dürfte auch ihr kurzes Leben nicht allzu aufregend sein, da die Mäuse zumeist in engen Laborkäfig-Batterien gezogen werden, wie die Internetbilder einiger Hersteller bezeugen.

Derselbe Vertreter erzählte mir übrigens auch, daß sie im vergangenen Jahr 6000 junge Kois aufgrund eines positiven Koi-Herpes-Tests abtöten mußten – die Behörde, welche die Testung durchführte und die Tötung forderte, empfahl das Einleiten von CO2 ins Wasser. Jeder Aquarianer, der einmal versehentlich seine CO2-Anlage übersteuert hat, weiß jedoch, daß die Fische durch eine Überdosis CO2 qualvoll und mit weit aufgerissenem Maul ersticken…schlimme Sache.

4 Kommentare »

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  1. Kein seriöser Hersteller wird (und kann) Mäuse lebendig einfrieren. Es verstößt gegen das TSchG und auch wenn man sich das oft nicht vorstellen kann; solche Zuchtanstalten werden überwacht und regelmäßig kontrolliert. Auch wenn die Tiere dort nicht das tolle Leben haben, das sie evtl. in privater Hand hätten; aber gequält werden dürfen sie nicht. Für das Abtöten hat der Händler allerdings nicht viele Möglichkeiten. Mit Chloroform getötete Tiere z.B. dürfen nicht verfüttert werden, da sich das Gift im Körper anreichert. Alle manuellen Tötungsmethoden sind nicht wirtschaftlich. Da bleibt dann nicht mehr viel übrig. Die Alternative für den Tierhalter ist dann eben nur die private Zucht mit allen damit verbundenen Nachteilen.

  2. Ich glaube, ob die Tiere nun unter tiefster CO2-Narkose noch Lebenszeichen haben oder, ob sie bereits den Jordan überschritten haben, wird vermutlich kein Futternagerzüchter noch feststellen (können) – aber ich denke, daß sie sehr rasch eingefroren werden müssen und vermutlich wird da nach einem straffen Prozedere vorgegangen. Daher werden sicherlich auch noch lebendige Tiere eingefroren – sie kriegen es unter Narkose aber nicht mehr mit. Natürlich gebe ich auch zu, daß die kommerzielle Futtertierzucht auch Vorteile hat, nicht nur, daß der Reptilienhalter selbst keine Nager züchten und fachgerecht töten muß – vermutlich wird dadurch auch einiges an Tierleid durch vielleicht unsachgemäße Haltung und Tötung vermieden.

  3. Da stimme ich voll zu. Ich bin sowieso der Meinung, das der größte Prozentsatz von Tierleiden nicht in Laboratorien oder Futterzuchten stattfindet, sondern bei “Tierfreunden” privat. Es reicht zu sehen, wie manche Menschen mit ihrem Hund umgehen. Über die Millionen von falsch gehaltenen und falsch ernährten Heimtiere will ich lieber nicht nachdenken.
    Daher nochmal vielen Dank für dieses Blog und für die hilfreichen Informationen (obwohl meine Dornaugen von Anfang an einen Steinhaufen hatten ;-) )

  4. <blockquote cite=”vermutlich wird dadurch auch einiges an Tierleid durch vielleicht unsachgemäße Haltung und Tötung vermieden.”

    Der Teufel steckt wie so oft im Detail: Seit 1990 ist im Bürgerlichen Gesetzbuch nachzulesen, dass Tiere keine Sachen sind, aber rechtlich wie Sachen zu behandeln sind. Wie Sachen (also Objekte) werden Tiere nun hie und da auch behandelt. Zumindest fast immer dann, wenn Geld im Spiel ist. Das zeigt sich beispielsweise darin, dass heutzutage nicht mehr davon gesprochen wird, dass Tiere gezeugt, geboren und aufgezogen werden, sondern, im wahrsten Sinne des Wortes produziert. Man möge nur einmal über den Begriff des Fleischproduzenten nachdenken: Es handelt sich dabei um eine ganz simple Massenproduktion. Insofern wäre es vielleicht gar nicht schlecht, Tiere unsachgemäß (also eben gerade nicht wie eine Sache) zu behandeln.

    Was das Beispiel mit dem CO2 angeht, ist es höchst interessant, dass in nahezu jeder wissenschaftlichen Definition CO2 als “farbloses, geruchloses Gas” bezeichnet wird. Das ist also eine Eigenschaft die sicher nicht “per Naturgesetz” vorhanden ist, sondern diese Eigenschaft wird zugeordnet. Wie sähe eine solche Definition wohl aus, wenn sie von Mäusen verfasst werden könnte?

    Grüße.


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