Der Moloch

Juli 15, 2008 at 6:43 | In Denkwürdiges | 1 Comment
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 Quelle: M.S.P./ pixelio.de

Eine große Zoohandelskette – nennen wir sie einfach mal den “Moloch” – wird sich vorraussichtlich im nächsten Jahr in unserer Stadt ansiedeln - eine Stadt, in deren Umgebung bereits einige kleinere Zoohandlungen zusperren mußten, weil größere Ketten Fuß gefaßt hatten. Mein Chef, und nun natürlich auch ich, sehen schon etwas besorgt in die Zukunft, was der Moloch wohl an Konsequenzen für uns mit sich bringen wird. Derzeit raunt es im Gebüsch, daß der Moloch sich gerade daran macht, Personal mit Praxiserfahrung für seine Aquaristikabteilung zu rekrutieren – vorzugsweise in lokalcolorierten Internetforen zum Thema Aquaristik, in absehbarer Zeit sicher auch in der Zeitung. Ich meine, ich gönne es ja anderen Aquarianern, die dann dort ihr Hobby zum Beruf machen können, wie ich es auch in unserem Laden getan habe, aber ihr Job könnte mich schlimmstenfalls den meinen kosten, und das besorgt mich sehr wohl. Irgendwie finde ich auch, daß es sich der Moloch hier sehr einfach macht: es ist wahrscheinlich einfacher einem Aquarianer das Verkaufen beizubringen, als einem Verkäufer aquaristisches Praxis-Know-How – der Moloch muß daher auch wesentlich weniger in die Schulung und Ausbildung seiner Mitarbeiter investieren. Der Moloch setzt sich irgendwo hin, verströmt seine Lockstoffe, vermüllt Briefkästen mit Werbeprospekten und zerdrückt wortlos die örtliche Konkurrenz gleich lästigen Fliegen. Im übrigen nennt man so etwas nun ganz neudeutsch “Tier-Erlebnismarkt”, damit der Kunde selbst beim Zooladenbesuch einen eventartigen Charakter verspürt – heutzutage geht aber auch nichts mehr ohne Entertainment…

Derzeit können wir nur deshalb konkurrenzfähig sein, weil mein Chef und sein Geschäftspartner (welcher die Tierfutter und -zubehörabteilung führt) verstärkt ihr Augenmerk auf Beratung und Sortimentstiefe gelegt haben, aber wird das denn reichen, wenn uns der Moloch mit mindestens 4-mal so großer Verkaufsfläche erreicht? Bei Zoohändlern jedenfalls geschieht zur Zeit überall, wo man hinblickt, dasselbe wie bei den Greislern schon seit 20 Jahren passiert: kleine Zooläden sterben zusehends aus, weil man, auch, wenn man sich auf guten Service spezialisiert, unmöglich konkurrenzfähig bleiben kann gegenüber der Angebotspalette und den günstigen Lockangeboten der großen Ladenketten.

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  1. [...] es berührt mich sehr…da bin ich wirklich froh, nicht in einem Baumarkt oder einem “Moloch” arbeiten zu müssen: Man mag das kaum glauben, aber ich habe mal in drei Tagen 40.000 (!) [...]


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