Emergency Room im Fischladen
19. August 2009 at 18:56 | In Knifflige Fälle, Skurriles | 4 CommentsTags: Fisch Reanimation
Quelle: nikki_leaf/flickr.com
Liest sich komisch, ist aber so – vorgestern mußte ich einen Fisch reanimieren. Ich hatte gerade die großen Malawibarsche in einem unserer großen Schaubecken gefüttert und ging dann nochmals kurz weg. Als ich wenige Minuten später wieder am Becken vorbei kam, trieb einer der Pseudotropheus zebra- Kerle leblos im Becken. Ich kescherte ihn hurtig und mußte feststellen, daß er keinerlei Lebenszeichen mehr zeigte, nicht einmal Bewegungen der Kiemen waren mehr feststellbar. Ich wunderte mich sehr, da er ja zuvor noch quicklebendig ans Futter gegangen war und überlegte, ob eventuell ein Schlaganfall oder eine Kollision mit einer Scheibe die Ursache sein konnten.
Ich schnappte mir das Tier mit beherztem Griff und hielt es direkt mit der Maulöffnung in die Filterströmung der kräftigen Eheim-Pumpe, durch die mittels Diffusor feine Luftperlen mitgerissen werden - nach einigen Minuten zeigte das Tier wieder eine ganz schwache Bewegung der Kiemendeckel und ich legte ihn in einen Kescher, den ich in der Strömung fixierte. Inzwischen war auch bereits wieder ein Drehreflex der Augen feststellbar.
Augendrehreflex
Der gesunde lebende Fisch versucht, wenn man ihn aus seiner normalen, aufrechten Körperlage in die Seitenlage dreht, die vorherige Augenstellung beizubehalten.
Erkrankten und weidgerecht betäubten Fischen fehlt der Augendrehreflex. http://www.wassersport-center.de/index.php?id=1367
Nach etwa einer Stunde sah ich mir den Fisch nochmals an und bemerkte, daß er wieder recht fit und munter erschien und entließ ihn wieder ins Becken – ob dieser Zustand allerdings von Dauer war, wußte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Als ich heute wieder nachsah, war der Fisch immer noch unauffällig und wirkte fit, ich denke also er dürfte über den Berg sein. Daß ich jemals einen Fisch wiederbeleben muß, dachte ich mir vorher auch noch nicht – ich bin auch überrascht, daß es so gut geklappt hat. Ob Fische auch Nahtoderfahrungen erleben?
4 Kommentare »
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Mit dieser letzten Frage kannst Du Angler und sonstige Fischverwerter in den Wahnsinn treiben.
Aber im Ernst: Jedes Lebewesen mit Hirn und Nervenkostüm, egal wie ausgeprägt, wird bei lebensbedrohlichen Zuständen / Einwirkungen vergleichbare Gefühle, also schlicht Angst, erleben. Es ist völlig unsinnig, Vergleiche mit unseren Gefühlen anzustellen. Ernsthafte Bedrohungen werden immer im Rahmen der vorhandenen Wahrnehmungsfähigkeit erlebt und wenn möglich mit gleichen oder sehr ähnlichen Reaktionen beantwortet.
Viele Grüße,
Bernd
Kommentar von Bernd Kaufmann — 20. August 2009 #
Nach dem ersten Satz habe ich mir vorgestellt, wie Du ein Stromkabel aus der Wand reißt, die Adern auftrennst und die Kabel links und rechts vom Fisch ins Wasser hälst…
Aber so geht es ja scheinbar auch
Kommentar von Matthias — 21. August 2009 #
*ggg*
Mit einem selbst improvisierten Defibrillator im Wasser hätte ich wohl selbst Reanimation gebraucht
Kommentar von fischtante — 21. August 2009 #
Schön das dir das gelungen ist, mir nicht. Mir ist ein Großer Fisch aus mein offenen Becken gesprungen. Als ich kam war es wohl schon zu spät. habe, so doof es klingt… Herz rhytmus massage versucht und ebenfalls mit sauerstoff…
naja… R.I.P
Kommentar von blubb — 3. November 2009 #