Heilige Kühe der Aquaristik – Altumskalare und Diskusfische
9. November 2009 at 21:29 | In Grundsätzliches, Netzrundschau, Paradigmen der Aquaristik | 5 CommentsTags: Altumskalar, heilige Kühe, Pterophyllum altum
Im zierfischforum.at gehen derzeit vor allem im Flohmarkt die Wogen hoch, da ein eidgenössischer Privatzüchter Altumskalare im F3-Generation feilbietet, wobei auf seiner verlinkten Homepage diesselben Bilder Verwendung finden wie bei den Inseraten eines hessischen Züchterkollegen. Das Wirrwarr ist perfekt, da nun niemand mehr den Überblick hat, wer nun Urheber der Bilder ist und wer nicht, wem man nun noch vertrauen kann und wer unter Umständen ein unseriöses Geschäft betreibt. Parallel dazu wird im Forumscafe fleißig über den Altumskalar diskutiert. Ich bin ja nun keine wirkliche Kennerin dieses Fisches, jedoch frage ich mich schon, ob er nicht langsam dem Diskus den Rang der heiligen Kuh abringt.
Es gibt einige Fischarten, um die in der Aquaristikszene meines Erachtens nach einfach zu viel Wirbel betrieben wird. Ein jeder möchte diese Fische, beispielsweise Altumskalare, seltene Diskusvarietäten oder seit einigen Jahren auch seltenere L-Welse, besitzen und sammeln. Nicht wenige Aquarianer, die von dieser Leidenschaft besessen sind, erinnern irgendwann an jene Freaks, welche allwöchentlich Flohmärkte minutiös nach dem einen bestimmten Überaschungsei absuchen um ihre Sammlung zu komplettieren. In vielen Aquarien solcher Sammler erfahren die begehrten Fische schließlich dasselbe Schicksal wie die Überraschungen aus den Schokoeiern…sie verstauben, weil es nur ganz wenigen gelingt ihnen geeignete Bedingungen zur Nachzucht zu bieten.
Ehrlich gesagt: das ist eine hauptsächlich westliche Eigenart, daß die Sammelleidenschaft leider oft in einer Sackgasse endet…naja, irgendwo steigert ja Seltenheit schließlich auch den Wert und so tröstet man sich bei ausbleibendem Nachwuchs, den man teuer verkaufen hätte können, eben mit dem Gedanken: na gut, zumindest selten ist er und bleibt mir dadurch eben auch wertvoll. Lustigerweise kenne ich dieses Phänomen ja auch nur bei langlebigeren Fischarten..was hätte es schon für einen Sinn hunderte von Euros in ein riskantes Sammel- und Nachzuchtunterfangen mit einem „Saisonfisch“ zu stecken. Irgendwie lob ich mir da die Asiaten – selbst wenn sie so verrückt sind hundertausend Dollar in einen schönen Koi zu investieren, so muß man ihnen zugute halten, daß es ja auch die Asiaten sind, welche die Aquaristik immer wieder mit sensationellen und innovativen Zuchterfolgen beglücken. Wo kämen denn sonst auch die vielen zigtausenden an Prachtschmerlen her, die in Europa noch kaum einmal jemand nachzüchten konnte? Übrigens: wußtet ihr, daß Pterophyllum altum, der Altum-Skalar, eine der 46 in Malaysien nachgezogenen Skalarvariationen darstellt? Und nebst den Indonesiern verstehen sich auch die Thai vorzüglich aufs Nachzüchten dieser heiligen Kühe:
Daß wir Europäer aber dafür einen Sinn für sehr hübsche Aquariengestaltung haben, zeigt dieses Video eines tschechischen Altumzüchters:
5 Kommentare »
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Auch in Asien werden die wenigsten Prachtschmerlen gezüchtet.
Allerdings findet eine innovative Aufzucht der (wildgefangenen) Larven / sehr Jungfische statt.
Kommentar von Volker — 10. November 2009 #
Teils teils…die Thai züchten auch erfolgreich nach.
„Clown Loaches are the easiest Botia to come by. Though they are tentatively being pond-cultured in Thailand, the wild-caught populations from central Sumatra and central and eastern Kalimantan (Borneo) are still cheaper. They are only seasonally available; the price fluctuates severely: sometimes late summer finds the best bargains.“ http://www.skepticalaquarist.com/node/8
Kommentar von fischtante — 11. November 2009 #
Das hast du falsch verstanden: Auch in deinem Link werden wildgefangene Larven / Jungtiere aufgepäppelt.
Kommentar von Volker — 12. November 2009 #
Vermutlich habe ich es wirklich nicht richtig zitiert, denn ein wesentlich prägnanterer Teil des Artikels lautet:
„Captive artificial breeding of Botia macracantha is possible and has been accomplished in Thailand; however, it is still not cost effective, as the wild-caught stock is still much cheaper. “
und vor allem:
„It does take quite a while for Clown Loaches to reach sexual maturity. The spawning loaches of a British fishkeeper were eighteen years old!“
Insofern liege ich zwar richtig, daß die Thai das zwar schon können mit der Zucht, jedoch ist es wirtschaftlich nicht rentabel. Womit du recht hast, ist aber tatsächlich, daß die meisten der Tiere wohl wild gefangen und dann zur Verkaufsgröße herangezogen werden.
Kommentar von fischtante — 16. November 2009 #
Guten Morgen
Ich hab mir das Video mit den Skalaren bei der Fütterung jetzt schon 100.000 Mal angeschaut und ich finde es mit der unterlegten Musik immer wieder nur schön
LG Cia
Kommentar von Cia — 17. November 2009 #