Der Karli

15. Juli 2010 um 20:45 | Veröffentlicht in Skurriles | 4 Kommentare
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Quelle: elrina753/ flickr.com

Jetzt hab ich wirklich lange nicht mehr gebloggt, aber heute juckt es einfach mal wieder in den Fingern…

In meiner inzwischen gar nicht mehr so neuen Arbeitsstelle in einem großen Zoofachmarkt, in der ich seit gut 4 Monaten tätig bin, haben wir einen knapp 20.000 Liter fassenden Indoorteich, den man über eine Brücke überqueren kann. Da die Geländer der Brücke mit dickem Sicherheitsglas ausgefüllt sind und so eine direkte Schaufläche in den Teich darstellen, steht das Wasser darin bis etwa 5 cm unter die Oberkante der Geländerbrüstung. Das ganze Biotop ist auf “Australien” getrimmt, das heißt die meisten der darin lebenden Fischarten stammen aus diesem Raum, so z.B. Regenbogenfische, Süßwasserflundern und Schützenfische (Toxotes jaculatrix). Es dauerte eine Weile bis wir einen Trupp an Schützenfischen zusammen hatten, der soweit an das Süßwasser gewohnt war, daß er sich in dem Teich auch wohlfühlte (Schützenfische sind eigentlich Brackwasserbewohner) - zwischenzeitlich mußten wir daher leider auch einige Ausfälle in Kauf nehmen. Jedenfalls blieb von der Erstbesatzung an Schützenfischen genau ein einzelner übrig, nämlich der etwas zu klein geratene “Karli”, der in der Quarantänezeit übrigens einige seiner um ein Stück größeren Artgenossen zu Tode gemetzelt hat…dieser mit nur etwa 8cm doch etwas zu kurz geratene Kerl ist offenbar wirklich mit allen Wassern gewaschen. Besonders gesellig ist er wirklich nicht und seine um einiges scheueren Artgenossen scheinen ihn vermutlich aus gutem Grund zu meiden.

Karli ist jedenfalls die neue Sensation in unserem Laden – dagegen stinkt unser 2000 Liter-Meerwasserschaubecken regelrecht ab. Karli ist nämlich wahnsinnig zutraulich, sodaß er so nahe zu den am Geländer lehnenden Beobachtern heranschwimmt, daß er sich schier streicheln läßt. Er springt sogar gute 10-15cm aus dem Wasser um sich Heimchen aus den Fingern unserer Mitarbeiter zu schnappen und er hat einen ganz besonderen Trick, der mir erst vor einigen Tagen auffiel, als ich in einem Gespräch versunken am Teich verweilte: er spukt Leute an. Am lustigsten ist es immer zu beobachten, wenn Leute am Teichrand stehen, die gar nicht mit seinen Attacken rechnen…er pirscht sich sie heran, fixiert sein Ziel (meist Ringe, Armbanduhren oder Armbänder) und spukt dann treffsicher drauflos, was seine Opfer dann immer in Erstaunen und Gelächter versetzt. Meine Arbeitskollegen und ich versuchen nun sein Talent zu fördern, indem wir ihn immer wieder mit Heimchen und anderen Leckerbissen trainieren – vielleicht wird daraus ja noch einmal ein Video für YouTube :-)

4 Kommentare »

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  1. Es soll Leute geben, die halten Fische für dumm. Werch ein Illtum!

  2. Hallo,
    und ich hab schon geglaubt du bist abgetaucht ;-)
    Schön wieder etwas von dir zu lesen und dann gleich so eine lustige Geschichte. Dass man überhaupt Schützenfische im Süßwasser halten kann war mir bis jetzt neu. Also passen sich Fische doch langsam an, oder wie ist das?
    lg
    miezetina

  3. Hi! Besser wäre es schon diese Fische in Brackwasser zu halten, obwohl man schon zugeben muß, daß viele Brackwasserbewohner sehr tolerant gegenüber den Wasserbedingungen sind, weil sie im Lauf ihres Lebens ja auch Wanderungsbewegungen durchlaufen (z.B. Aale,usw.) – ich habe auch schon Vieraugen und Schlammspringer bei fast nicht erwähnenswertem Salzzusatz gesehen, die sich damit gut zurecht fanden. Im übrigen gibt es auch ausgesprochene Süßwasserfische, die auch in Brackwasserbiotopen anzutreffen sind, so z.B. manche mittel- und südamerikanische Cichliden (z.B. Thorichtys meeki, der Feuermaulbuntbarsch). Im Prinzip ist es eine Frage der Leitwerttoleranz bzw. der Osmoseregulation: die Nieren eines Brackwasserbewohners müssen eben in Süßwasser viel mehr leisten – bei langsamer Umgewöhnung kann es also manchmal schon klappen, empfehlenswert ist es aber nicht immer.

  4. Kannst Du ein paar Bilder von der Anlage liefern?


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