Ausfallsquoten bei Zierfischimporten
29. August 2009 at 18:51 | In Denkwürdiges, Grundsätzliches, Paradigmen der Aquaristik | 2 Comments
Quelle: Nemo´s great uncle/ flickr.com
Ich habe ja schon einmal das Thema „Mitschuld-Teilschuld-Unschuld„ aufgegriffen um einen Blick auf die Massenware Zierfisch und die kommerziellen Aspekte der Aquaristik zu werfen. Wer ist nun wirklich beteiligt daran, daß Zierfische in Massen gezüchtet oder wild gefangen werden um sie zu leistbaren Preisen an den Kunden zu bringen ohne Rücksicht auf Verluste in punkto Fischgesundheit und Tierschutz?
Greenpeace schreibt, daß laut den Berichten Washingtoner World-Watch-Institutes jährlich etwa 500-700 Millionen Fische dem Meer entrissen werden, wovon viele bereits durch die Fangmethoden (Cyanid), als auch durch den Transport versterben. Klaus Lüdke, Berlins Tierschutzbeauftragter, fordert übrigens ein Importverbot von Zierfischen, da er davon ausgeht, daß 90% aller Zierfische am Transport verenden würden. Auch Pro wildlife und die Akademie für Tierschutz schreiben von 50-70% Verlusten (voneinander abgeschrieben
). Ist es wirklich so, daß die Transporte so hohe Ausfälle verursachen? Das sind natürlich horrende Zahlen, was jedoch ist die Realität?
Der VDA (Verband deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde eV) hat dazu recherchiert und einen interessanten Artikel dazu herausgegeben. Axel Ploeg zitiert darin eine Untersuchung von Olivier (2001), in der von Ausfallsquoten von etwa 25-40% in verschiedenen Stufen der Transportkette die Rede ist, was angeblich zu einer Gesamtsterberate von 73% führen soll. Ploeg hält diese Quote für absolut unwahrscheinlich und bezieht sich unter anderem auf folgende Schweizer Studie von Christine Weber (2001):
Christine Weber hat für das Bundesamt für Veterinärwesen der Schweiz einen Artikel über „Die Einfuhr von Zierfischen in die Schweiz“ geschrieben, nachdem sie die Importe von Aquarienfischen untersuchte. Dabei fand sie heraus, daß bei den Süßwasserfischen circa 62% als Nachzuchten deklariert waren, etwa 26% als Wildfänge ausgewiesen waren und bei circa 12% der Fische die Herkunft unbekannt war. Bei den Salzwasserfischen sah die Verteilung wieder anders aus – bei etwa 61% galt die Herkunft als unklar, fast 32% waren als Wildfänge deklariert und nicht einmal 7% entstammten einer Nachzucht.
Interessant ist auch, daß fast die Hälfte aller importierten Fische Salmler sind, wobei der Rote Neon wiederum mehr als die Hälfte dieser Sparte ausmacht. Was die Herkunft des Roten Neons anlangt, so wird er mit fast 80% als Wildfang ausgewiesen, etwa 13% entstammten unbekannten Quellen und lediglich 7% wurden aus Zuchtanlagen entnommen. Der rote Neon gilt somit als der meistimportierte Süßwasserfisch.
Frau Weber eruierte übrigens auch den Zustand von 10 Fischsendungen, wobei knapp 6 als „in gutem Zustand“ bewertet wurden, 3 Sendungen enthielten Fische in gutem, als auch in schlechtem Zustand und in einer Sendung befanden sich die Tiere in sehr schlechtem Zustand. Interessant auch die Ausfallsraten der Transporte: bei den Salzwasserfischen ergab die Ausfallsquote auf dem Transport etwa 6,25%, bei den Süßwasserfischen lediglich 1,56%. Als einer der Hauptgründe für Verluste sind sicherlich Verspätungen im Warenverkehr (z.B. Flugzeugverspätungen,…) zu werten, eine weitere Ursache kann in einigen Fällen zu hohe Packdichte sein und besonders bei den empfindlichen Salzwasserfischen können Probleme bei der Temperierung für Verluste sorgen. Nach der Ankunft der Tiere verstarben noch weitere ca. 3% innerhalb der ersten fünf Tage. Wie man erkennen kann, so hält sich die Ausfallsrate beim Transport, d.h. vom Exporteur zum Importeur, einigermassen in Grenzen. Die Importeure der genannten Untersuchung konstatierten: Kein Geschäft könne sich über längere Zeit halten, wären die Verluste in den Lieferungen derartig groß. (S. 22)
Axel Ploeg verweist im oben erwähnten VDA-Artikel durch verschiedene Quellen (Weber 2001, Vinke 1999, Verhoff 2003, Chao 2003) auf Gesamtraten an Transportverlusten, die von 0,15 bis 0,47% reichen. Auch Harry Hyronimus greift das Thema „Fakten zur Sterblichkeit von Fischen vom Fang bis zum Aquarianer“ in aufschlußreicher Art und Weise auf . Ich denke, daß die Ausfallsraten bei Zierfischen – ich möchte mich hierzu aber auf Süßwasseraquaristik eingrenzen – am Transport wirklich verhältnismäßig gering sind und, daß alles jenseits einstelliger Prozentzahlen ins Reich der Urban Legends zu verweisen ist. Ich vermute, daß die höchsten Zahlen einerseits vor dem Transport beim bzw. kurz nach dem Fang, sowie bei der Hälterung im Zoogeschäft zu suchen sind, allerdings weit übertroffen von der Mortalitätsrate beim Endkunden. Tatsache ist: im häuslichen Aquarium dürfte die Rate an frühzeitigen/unnatürlichen Todesfällen bei weitem am höchsten sein. Was die Ausfälle in Zoogeschäften betrifft, so hatte ich dazu ja schon einmal im vergangenen Jahr gebloggt – wenn aquaristisch geschultes Personal in der Betreuung der Aquarien beteiligt ist, so halten sich nämlich auch hier Sterbefälle in Grenzen. Allerdings muß ich den Endkunden, also den Aquarianer, ein wenig in Schutz nehmen – es ist zwar so, daß viele Krankheits- und Todesfälle durch eigene Unwissenheit und Fehler verursacht werden, allerdings ist auch zu beachten, daß er sie nach all den Strapazen durch Fang, Transport und Zwischenhälterung dann aber auch am längsten herumschwimmen hat. Und so sterben Fische nicht immer nur vor Ablauf ihres erreichbaren Lebensalters – viele erreichen diese hohe Lebenserwartung überhaupt erst beim Endkunden im sicheren Aquarium ohne Feinddruck…welcher Neonsalmler würde in der Natur denn überhaupt 8 oder 10 Jahre alt?
Kinder sind grausam
26. August 2009 at 21:14 | In Denkwürdiges | 2 CommentsTags: Grausamkeit, Kinder sind grausam, Tierschutz

Quelle: Fabiana.C/ flickr.com
Heute waren drei Jungs von etwa 10 Jahren bei uns im Laden und wollten, daß ich ihnen eine Packung Heuschrecken verkaufe. Ich habe sie gefragt, wozu sie die denn brauchen, da meinten sie: „Zum Spielen. Und wenn sie dann tot sind, dann können wir sie ja der Eidechse von unserem Freund verfüttern.“ Das war ausreichend für mich um den Burschen erst einmal zu erläutern, daß Tiere kein Spielzeug sind und außerdem würde ich ihnen ohnehin keine Tiere verkaufen, wenn sie keinen Erwachsenen dabei hätten. Darauf sagte der Größte der drei zu mir: „Ja aber letztes Jahr haben wir in diesem Geschäft auch Heuschrecken verkauft bekommen. Außerdem sind das ja solche Tiere, die es auf der Wiese und überall sonst ja auch gibt.“ Ich: „Vermutlich dachte derjenige, der euch die Heuschrecken damals gegeben hatte, auch nicht daran, daß ihr sie zum ´Spielen´verwendet. Und außerdem: wenn es die ja ohnehin überall gibt, wieso geht ihr dann nicht auf die Wiese um welche zu fangen?“ Da meinte der Naseweis doch tatsächlich: „Das ist doch viel zu anstrengend.“
Ich denke mir, daß Kinder schon immer eine gewisse Tendenz zum Sadismus hatten, wenn ihre Neugierde und ihr Forschergeist umschlägt in Experimentierfreude und Boshaftigkeit, aber daß die Kinder heutzutage zu faul sind um auf die Wiese zu gehen um Heuhüpfer zu fangen und stattdessen lieber eine 12er-Packung um 4,90 Euro kaufen, das schockiert mich schon ziemlich…also ich weiß nicht recht. Ich habe als Kind schon auch Marienkäfer eingefangen und mit Blattläusen gefüttert, Schnecken mit nach Hause gebracht um Schneckenrennen durchzuführen und hin und wieder habe ich sogar Zucker in den Badezimmerabfluß geschüttert um die Silberfischchen zu füttern, aber mir Tiere zu kaufen um sie „zu Tode zu spielen“, das lag mir fern. Jedenfalls gingen die drei Jungs bei mir heute im Geschäft ohne Heuschrecken nach Hause…
Memento mori
29. Juni 2009 at 19:54 | In Denkwürdiges | 7 Comments
Quelle: cobalt123/ flickr.com
Der heutige Tag hatte sich den Tod auf die Fahne geheftet.
Heute war mein erster Arbeitstag nach dem Urlaub und bereits am Weg zur Arbeit begegnete ich mitten im Berufsverkehr einer Entenfamilie, die gerade versuchte die Autobahn zu queren…vorneweg die Entenmutter, hintennach trippelten ihre vier Kinder. Ich konnte gerade noch auf den Pannenstreifen ausweichen, soweit ich es im Rückspiegel sehen konnte, dürfte auch der nach mir kommende Wagen selbiges Ausweichmanöver absolviert haben, denn die Enten erreichten gerade noch den Mittelstreifen. Leider jedoch war der Verkehr auf der Gegenfahrbahn noch dichter und ich befürchte das schlimmste…im Radio lief gerade „Forever Young“ von Alphaville, was für ein Hohn.
In der Arbeit startete ich gleich mit dem morgendlichen Leichen-Fischzug durch die Aquarienanlage…üppige Ausbeute besonders bei den Goldfischen, die offenbar gerade einer Medikation unterzogen waren. Was ihnen fehlte, kann ich nicht sagen, da ich ja zwei Wochen nicht im Laden war. Später dann drei Tote im Mäusegehege – das Wasser war über das Wochenende knapp geworden und einige der Tiere dürften offenbar an einer Art Durchfall erkrankt gewesen sein, eine weitere Maus war dem Tod bereits sehr nah… und genau jener wollte ich den Übergang etwas erleichtern um ihr einen raschen kurzen Tod durch eine Schlange zu ermöglichen. Ich öffne also das Terrarium der zwei jungen Boa Constrictors, wo mir muffiger Geruch entgegen schlug…die kleinere der beiden Boas, die ein wenig im Wachstum zurückgewesen war, war übers Wochenende „entschlafen“ – sie lag tatsächlich da, als ob sie nur schlafen würde. Durch die Wärme des Lichtspots war sie sogar noch warm und weich wie ein lebender Körper, jedoch zeigte sie keinerlei Regung mehr. Schade, dachte ich mir und packte das arme Tier ein wenig traurig und enttäuscht in die Tiefkühltruhe. Die todkranke Maus war hingegen der zweiten Boa sehr willkommen – irgendwie hat fast jede Misere einen Nutznießer…das ist eine Tatsache, die im kleinen zutrifft wie auch im großen Rahmen, wenn man sich die aktuelle Lage der Welt anschaut. So makaber es klingt: ein toter Michael Jackson läßt die Kassen der Nutznießer mehr klingeln als seine eigenen leeren Kassen in den vergangenen Jahren es je tun hätten können.
Das nächste, das ich durchführte, war eine Generalreinigung des Mäusegeheges, danach widmete ich mich der Reptilienpflege. Unter den Bartagamenbabies fiel mir dabei ein Tier auf, das einen seltsam schwarzen Fuß herunterhängen hatte. Bei genauerer Betrachtung stellte ich fest, daß der Fuß nekrotisch war: vermutlich hatte sich eine Hautverletzung entzündet und sich tief ins Gewebe vorgearbeitet. Für so eine schlimme Infektion reicht oft sogar bereits eine winzige Bißverletzung, die man leicht übersieht. Was nun? Ich zeigte das Tier meinem Chef, der mir riet, das Tier zu verfüttern. Mist – warum immer ich? Naja, die Alternative wäre gewesen die kleine Babybartagame beim Tierarzt einer Beinamputation zu unterziehen und als Pflegefall nach Hause mitzunehmen. Nein, dachte ich mir, das kann ich jetzt nicht durchziehen – bei mir zuhause wohnen bereits einige Pfleglinge und ich kann mir doch nicht ständig jedes verletzte oder kranke Tier mit nach Hause nehmen. Man gerät sehr leicht in Versuchung in diesem Job und halst sich dann ständig Arbeit für die eigene Freizeit auf, und man klaut sich selbst zuhause den Lebensraum. Meist gewöhnt man sich an die Pfleglinge, da man ja sehr viel Herzblut in ihre Genesung investiert hat, und schafft es dann auch nicht mehr sie weiterzuvermitteln. Also faßte ich mir ein Herz und drückte beide Augen fest zu, als ich den Zwerg zu seinen ausgewachsenen Artgenossen ins Terrarium hielt. Gottseidank fackeln Bartagamen nicht lang – was ins Maul paßt, ist ratzfatz weg…ein kurzer Moment, vielleicht zwei, drei Sekunden, und es ist vorbei. „War das jetzt bestialisch von mir?“, denke ich und wische den Gedanken hurtig weg, indem ich mir sage: Mäuse verfütterst du ja auch an Schlangen – die müssen ja auch essen. Insgeheim gehe ich im Kopf meine Strichlisten durch…und ich bin zuversichtlich, denn die Liste der Tiere, die ich im Laufe meines Lebens bereits gerettet habe ist länger als die meiner Opfer…und ich belüge mich schon wieder selbst, da ich vergessen hatte all die Kotelets und Grillhühner dazuzurechnen, die ich vertilgt habe. Nein, in diesem Gewerbe darf man nicht zimperlich sein, aber man darf guten Willens bleiben, denn wenn man es schafft sich ein Quäntchen Idealismus zu bewahren, so ist der Job im Zooladen ein Traumjob. Am Heimweg habe ich übrigens keine Entenleichen gesichtet – ich klammere mich fest an der Hoffnung, daß es Überlebende gab…
Bitte treten Sie da mal drauf…
15. Juni 2009 at 23:12 | In Denkwürdiges | 1 Comment
Quelle: Trueffelwurm/ flickr.com
Sollte ich im nächsten Leben als Käfer zur Welt kommen – oh Gott, bitte bewahre mich vor den Tierfreunden!
Heute hatte ich eine sonderliche Begegnung im Wartezimmer eines Tierarztes. Ich unterhielt mich gerade mit einigen wartenden Damen als ich eine erkrankte Pythonschlange zur Begutachtung zum Tierarzt brachte. Ich erklärte ihnen, daß das Grundproblem dieser und vieler anderer Königspythons jenes ist, daß sie vielfach in Massen als Wildfangnachzuchten von großen Farmen aus Afrika imporiert werden und, daß sie daher häufig Parasiten haben. Darauf meinten die Damen einhellig, man solle doch die armen Tiere dort belassen, wo sie hingehören. Ich sagte ihnen dann, daß das dann aber viele Haustiere einschließlich der Aquarienfische beträfe, worauf eine Dame im Sinne des Tierschutzes ganz besonders engagiert nickte. Nicht einmal zwei Minuten später dann forderte die Dame – nervös ihren Zwergspitz betüttelnd – ein junges Mädchen, das gerade im Raum stand, auf: „Bitte treten Sie da mal drauf – da krabbelt etwas!“ Verdutzt tat die Angesprochene wie ihr geheißen und zertrat den kleinen Käfer, der gemächlich am Boden durchs Blickfeld der älteren Dame krabbelte…und ein kleines Würmchen, das im falschen Moment gerade unter einem Stuhl hervorkroch, den legte sie gleich noch nach. *Quetsch*
Frühling?
7. April 2009 at 21:42 | In Denkwürdiges | Leave a CommentTags: Frühling, Teichsaison
Quelle: Lucie Gerhardt/ pixelio.de
Heute war ich am örtlichen Badesee und ich stellte zu meinem Erstaunen fest, daß bereits ziemlich viele Leute bereits im Bikini herumlaufen und sogar schon das kühle (eisige) Nass aufsuchen…hatte es heute doch stellenweise schon bis zu 26°C. Dabei waren gerade vor einer Woche noch winterliche Minustemperaturen… Inzwischen wird sogar wieder nach Wegen und Mitteln zur Aquarienkühlung gesucht, was ich an den aktuellen Suchbegriffen in meinem Blog merke, die zum Thread über die PC-Lüfter-Kühlung führen. Ich bin nur froh, daß wir im Laden bereits den ersten Schwung an Teichfischen bestellt haben, denn nun wird die Nachfrage nach Goldfisch, Koi und Co. ziemlich rasant steigen. Im Grunde freue ich mich ja über die warmen Temperaturen, die heuer so lange auf sich warten ließen, aber ich frage mich auch, wie sich das unter Umständen auch auf den Stoffwechsel von Mensch und Tier auswirkt. Ich hoffe, daß wir in diesem Jahr zumindest von den „Eismännern“ verschont bleiben und, daß nicht im Sommer womöglich eine Hitzewelle auf uns zu rollt.
Wie kultiviert man eine Verhaltensstörung?
23. März 2009 at 22:20 | In Denkwürdiges, Skurriles | 4 CommentsTags: Hundebuggy, Hundekinderwagen
Quelle: Alan Stanton/ flickr.com
Der neueste Schrei unter Kleinhundebesitzern dürften wohl Hundebuggies sein – Manuel, seines Zeichens Austauschstudent in Japan, berichtete auch bereits davon in seinem Blog. Unlängst sah ich so etwas zum ersten Mal, nämlich beim benachbarten Hundefrisör – da kam doch glatt eine Dame mit drei unerzogenen, lautstark kläffenden Chihuahuas im Buggy daher und was denkt ihr wozu? Zum Krallenschneiden freilich, denn die Krallen können sie ja unmöglich abnützen, wenn sie ständig im Kinderwagen fahren…also sowas von krass (um das mal ganz neudeutsch auszudrücken)!
Der Zoohändler als Abstellgleis
4. März 2009 at 20:39 | In Denkwürdiges | 4 CommentsTags: Tierquälerei, Tierschutz, Wasseragamen
Immer wieder kommt es vor, daß Leute ihre Fische oder Reptilien nach einer Hobbyauflösung bei uns abliefern, weil das örtliche Tierheim für solche Tiere nicht wirklich ausgestattet ist. Manchmal fürchten Tierhalter auch kritische Kommentare der Tierheimmitarbeiter und suchen deshalb lieber den Zoohandel auf um ungeliebte bzw. nicht mehr gewollte Haustiere abzuladen.
Wenn uns nun ein Halter beispielsweise schöne große Fische aus einer Aquariumauflösung schenkt, so ist beiden Seiten gedient – der Tierhalter kann rasch und unkompliziert sein Aquarium leeren, es weiter verschenken oder verkaufen, und der Zoohändler kann die oft in sehr gutem Zustand befindlichen Tiere zu einem günstigen Preis an Käufer weitervermitteln, da er ja keine Kosten für den Einkauf, sondern lediglich Kosten für die vorübergehende Unterbringung zu tragen hat. Naja gut – bei manchen Fischen machen wir da durchaus ein Minusgeschäft, weil sich beispielsweise für Riesen wie Pacus oder Pfauenaugenbuntbarsche kein Käufer findet und wir sie dann natürlich langfristig behalten müssen.
Auch bei Reptilien und gelegentlich auch bei Nagern kommt es vor, daß Menschen an uns herantreten, ob wir ihre Tiere übernehmen. Sofern wir Aufnahmekapazitäten haben, nehmen wir dann oft auch Tiere aus privater Hand auf. Gestern jedoch machte mein Chef eine sehr denkwürdige Erfahrung mit einem jungen Mann, der ihm etwa 20 Vielzitzenmäuse und zwei Wasseragamen aus seiner Hobbyauflösung in den Laden brachte. Die Vielzitzenmäuse und eine der Wasseragamen konnte er aufnehmen, wenngleich die Wasseragame nicht unbedingt in einem Topzustand zu sein schien und aufgepäppelt werden muß. Viel schlimmer bestellt war es jedoch um die zweite Wasseragame, die an beiden Hinterbeinen offene Brüche aufwies, die sichtlich unbehandelt waren und, wo man bereits durch das nekrotische Gewebe die Knochen hindurch sehen konnte. Da konnte mein Chef nur noch angewiedert ablehnen und dem Tierhalter nahe legen, daß er das Tier so rasch als möglich einschläfern lassen solle. Unfassbar, daß jemand so wenig Verantwortungsgefühl hat, daß er das Tier offenbar schon längere Zeit mit diesen schweren Verletzungen unbehandelt ließ. Man möchte sich die bisherigen Haltungsbedingungen dieser Tiere gar nicht wirklich vorstellen…
Riesenschlangen
16. Februar 2009 at 21:04 | In Denkwürdiges | 4 CommentsTags: Riesenschlangen
Quelle: _Jorik_/flickr.com
Heute kam ein Kunde um für seinen fast 3 Meter langen Tigerpython ein Futterkaninchen zu besorgen. Ich packte die Gelegenheit beim Schopf, weil es mich immer schon beschäftigt hat, wieso jemand sich so ein riesiges und unhandliches Tier anschafft – also fragte ich ihn, was er denn mit dem Tier einmal machen wird, wenn es womöglich 5 oder gar 6 Meter lang sein wird. Dann kann er es ja gar nicht mehr alleine händeln, denn immerhin sollte bereits ab einer Länge von 2 Metern immer eine zweite Person assistieren, die im Ernstfall helfen kann. Er antwortete mir: „Ich hoffe, daß sie nicht mehr allzu viel länger wird. Eigentlich würde ich sie gerne abgeben, aber ich kenne niemanden, der sich mit einem solchen Tier auskennt. Früher war ich noch auf dem Standpunkt: Je größer, desto cooler. Aber inzwischen ist das gar nicht mehr so lustig, weil das Tier echt schwierig zu händeln ist. Ich bin nur froh, daß meine Schlange wenigstens nicht aggressiv ist, da das Tier ja wirklich enorm stark ist. Es reicht mir ja schon bis zur Hüfte, wenn es sich aufrichtet.“ Als ich dann sagte, daß ich es gut finden würde, wenn der Verkauf von derart großen Schlangen, die über 2-3 Meter lang werden, verboten werden sollte, weil viele ja letzten Endes ihren Besitzern „über den Kopf wachsen“, meinte er: „Ja, mich wundert es eigentlich auch, daß man diese Tiere so einfach kaufen kann. Ich finde auch, daß sie nicht mehr verkauft werden dürften.“
In einigen Teilen Deutschlands wurden meines Wissens nach inzwischen ja bereits Verkaufs- und Haltungsbeschränkungen für Riesenschlangen beschlossen, so dürfen z.B. in Berlin-Brandenburg solche Tiere nur mehr mit Ausnahmegenehmigung gehalten und verkauft werden. In Österreich ist mir noch kein Haltungsverbot für Riesenschlangen bekannt (sie sind allerdings wie alle Reptilien meldepflichtig), vermutlich befinden sich deshalb auch sehr viele dieser Schlangen in ungeeigneter Haltung und sehen nicht selten einem traurigen Schicksal entgegen.
Im Bezirk Steyr-Land etwa wurde im vergangenen Sommer eine 4,77 Meter lange Riesenschlange einfach in einem Leinensack in einem Fluß entsorgt. Und bereits einige Zeit zuvor fand ein Radfahrer in derselben Gegend einen ausgesetzten Tigerpython. Dabei haben wir durch unser mitteleuropäisches Wetter noch Glück im Unglück, daß wir von einer Riesenschlangen-Plage á la Florida verschont bleiben. Dort wurden nämlich alleine im Jahr 2007 über 400 ausgesetzte Pythons tot oder lebendig aufgefunden. Das ist natürlich schon bedenklich, da diese Tiere sich bei den vorherrschenden klimatischen Verhältnissen in den Everglades-Sümpfen auch weiter vermehren können und die einheimische Fauna bedrohen indem sie z.B. die ansässigen Alligatoren fressen.
Nee, ich möchte nicht, daß mir beim Baden so etwas engegen springt:
Und das hier ist natürlich auch nicht gerade wünschenswert:
Ich bin glücklich!
29. Dezember 2008 at 21:19 | In Denkwürdiges | Leave a CommentWer kann das schon von sich behaupten? Wenn ich das Jahr Jahr 2008 im Geiste zurückspule und es vor meinem inneren Auge nochmals Revue passieren lasse, so muß ich sagen: Ja, es war ein gutes Jahr, wenn auch nicht besonders ertragreich in punkto Finanzen, aber trotzdem richtig gut. Mein Privatleben ist zu meiner Zufriedenheit, ich habe so manches gut abschließen können, einiges ins Rollen gebracht und mir neue Ziele für die Zukunft gesteckt. Und: ich bin glücklich in meinem Beruf und ich erachte das als Geschenk, denn dieses Glück glücklich zu sein im Job, das hat nicht jeder. Es liest sich vielleicht unglaubwürdig, aber ich gehe jeden Morgen gerne zur Arbeit, wenngleich ich natürlich auch jeden Tag gerne in den Feierabend gehe
Heute hatte ich eine Kundin, die hatte es wirklich schwer – sie erzählte mir, sie wäre Alleinerzieherin von 4 Kindern, allerdings schien sie sehr traurig und überfordert zu sein. Sie meinte: „Wissen Sie, meine Kinder machen mich wirklich jeden Tag fertig.“ Ich sagte daraufhin: „Oh – ich habe auch so einen Wirbelwind zuhause.“ Da erzählte sie: „Nein, die sind nicht nur quirlig. Wissen Sie, die sagen mir fast jeden Tag, wie sehr sie mich hassen und das tut so weh, daß ich nur mehr am heulen bin.“ Als ich sie daraufhin fragte, ob sie sich denn nicht Hilfe z.B. bei einem Psychologen für sich und die Kinder holen könne, antwortete sie: „Ach, wir sind ja schon in Behandlung. Sogar das Jugendamt habe ich um Hilfe gebeten und seither bekommen wir Therapie, aber es hilft einfach nichts.“ Das fand ich sehr traurig – gottseidank hatte sie eine Freundin dabei, die recht engagiert zu sein schien und ihr wohl auch eine kleine Stütze im Leben ist. Nein, wenn ich solche Dinge höre, dann muß ich wirklich eingestehen: Ich bin glücklich!
Euch, meinen liebe Leser, wünsche ich auf jeden Fall viel Glück im Neuen Jahr 2009. Vielleicht fragt ihr euch ja auch manchmal:
Habt ihr eure ganz persönliche Antwort darauf schon gefunden?
Fisch-Tisch zur Weihnachtsfeier
20. Dezember 2008 at 22:32 | In Aus der weiten Welt, Denkwürdiges | 3 CommentsTags: Tischaquarium

Quelle: tsukinoblossom/ flickr.com
Gestern hatten wir unsere Firmen-Weihnachtsfeier und zum Abschluß des Abends ging ich mit unserem Chef und unserem Lehrling noch in eine Bar deren Besitzer seit vielen Jahren eingefleischter Aquarianer ist. Als wir zur Tür hereinkamen, war die Bar bis zum letzten Sitzplatz gefüllt…halt, nein, nicht bis zum letzten Sitzplatz, denn ein einzelner Tisch war noch frei. Dieser einsame, jedoch recht illuster beleuchtete Tisch zog mich förmlich an etwa in der Art, wie es Motten zum Licht hinzieht: es war ein Tischaquarium, das der Lokalbesitzer offenbar selbst entworfen hat. Bisher kannte ich Tischaquarien in diversen Bauweisen und Designs nur aus dem Internet – ich bewertete die Haltung von Fischen in solchen Tischen (alles was sich reimt…) immer als grausamste Tierquälerei, da die verschiedenen Systeme immer große Schwachstellen aufwiesen und da die Fische darin sicherlich gestresst werden, wenn auf dem Tisch herumhantiert wird.
Gestern war ich allerdings sehr überrascht. Der Tisch wurde von einer runden, wassergefüllten Acrylglassäule getragen und unter der Tischplatte befand sich ein Behälter, der nur wenige Zentimeter tief war, jedoch verständlicherweise recht lang und breit war. Darin schwamm eine Familie Feenbarsche (Neolamprologus brichardi) mit mehreren Generationen und einem großen Schwarm frischgeschlüpfter Jungfische – das faszinierende war, daß sie trotz unserer Anwesenheit und unseres Getränkegeschiebes total entspannt und ruhig wirkten. Von Zeit zu Zeit zog Vater Feenbarsch dann wieder wachsam seine Runde, äugte wieder einmal hinunter in die tiefe Glassäule um nachzusehen, ob dort auch alles mit rechten Dingen zuging. Der Fischbehälter selbst war durch eine zweite Scheibe von der Tischplatte getrennt, sodaß zumindest durch das Abstellen der Gläser allzu große Störungen vermieden werden konnten und, da das System nur durch Abschrauben der beiden Deckplatten zugänglich war, funktionierte es ziemlich autark durch Anbindung an ein großes Tanganjikabecken mittels Rohrleitungen. Ansonsten wäre vermutlich die Sauerstoffversorgung ein großes Problem. Die Fütterung erfolgte ansaugseitig über die Rohrverbindung.
Ich fragte den Barbesitzer, nachdem er mir seine Konstruktion erläuterte, weshalb denn außer uns offenbar keine Gäste an dem Tisch sitzen wollten, was ja angesichts des vollen Lokales recht ungewöhnlich war. Er meinte schließlich:“ Hier sitzen üblicherweise nur Leute, die sich nichts mehr zu sagen haben, z.B. manche Ehepaare, die Streit haben.“ Ich verstand erst was er meinte, als wir bereits etwa eine halbe Stunde an dem Tisch saßen – wirklich eigenartig, denn auch wir drei brachten angesichts unserer Fischbetrachtungen die ganze Zeit keine richtige Unterhaltung zustande. Wie belämmert stierten wir in das Becken hinein und erst, als mein Chef (mit Blick auf die Armbanduhr) konstatierte “Nun hat das Fischweib bereits seit über 20 Minuten diesselbe Kotwurst am Hintern.“, wurde mir bewußt, daß wir komplett weggedriftet waren.
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