Von roten Neons und Violinen…der Philantrop Herbert R. Axelrod
18. Oktober 2009 at 20:17 | In Who is Who | Leave a CommentTags: Herbert R. Axelrod, Roter Neon
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Quelle: wikipedia.org
In der Nähe von Toronto (Ontario, Kanada) - an der University of Guelph - gibt es ein Fischforschungsinstitut, das Axelrod Institute of Ichtyology. Die Institutsgründung und ihre Namensgebung gehen auf Dr. Herbert R. Axelrod, einen Millionär und Philanthropen zurück, welcher der Universität eine große Sammlung an Fischfossilien überließ. Der Fischforscher und Violinist sammelte allerdings nicht nur Fische und Fossilien, sondern auch teure und seltene Musikinstrumente, weswegen er auch in die Schlagzeilen geriet, weil Zweifel an Echtheit und Wert der Stücke, die er einem Orchester in New Jersey verkauft hatte, aufgekommen war. Einige ganz besonders teure Instrumente übergab Axelrod dem Smithonian Institut – vier Stradivaris im Schätzwert von etwa 50 Mio. US-Dollars gab er als Spende, 30 weitere Instrumente (eine auf 49 Mio. geschätzte Kollektion) verkaufte er an das Museum für circa 18 Mio. Dollar.
Herbert R. Axelrod, Jahrgang 1927 und Kind jüdischer Immigranten, ist nicht nur Autor zahlreicher Publikationen über Zierfische (z.B. Atlas der Süßwasser Aquarienfische, Diskus-Atlas, uvm…), sondern auch Gründer der Zeitschrift „Tropical Fish Hobbyist“. Besonders bekannt wurde der Name Axelrod vor allem durch den von Leonard P. Schulz entdeckten roten Neon, der nach dem engagierten Ichtyologen Paracheirodon axelrodi benannt wurde. Weitere Fischarten, in denen sich der Name dieses passionierten Aquarianers widerspiegelt, sind z.B. Sundadanio axelrodi ( Axelrods Bärbling) oder Cynotilapia axelrodi (Pseudotropheus „kingsizei“), sowie Corydoras Axelrodi (Rosafarbener bzw. Axelrods Panzerwels)
Axelrod wurde vor einigen Jahren von amerikanischen Gerichten verurteilt, weil er offenbar etliche Dollarmillionen, z.B. aus den Verkäufen von wertvollen Musikalien, auf Schweizer Bankkonten transferiert hatte ohne davor die Steuern dafür zu begleichen. Im Juni 2004 verhaftete man Herbert R. Axelrod in Berlin und lieferte ihn an die USA aus, wo er im April 2005 eine Strafe von 18 Monaten Gefängnis wegen Steuerhinterziehung antrat. Bereits im Oktober war er wieder auf freiem Fuße – eine ausführliche Beschreibung samt Bildmaterial über diese schillernde Persönlichkeit findet der geneigte Leser unter http://judicial-inc.biz/axelrod.htm
Ein Auszug daraus illustriert auf amüsante Art und Weise den kauzigen Charakter des Lebemannes Herbert R. Axelrods:
Axelrod Declares Himself A Doctor And Hires A Biographer
His biographer writes: - „As an author, university professor, lecturer, publisher, editor, explorer, adventurer and scientist, Herbert R. Axelrod is the world’s best-known tropical fish experts in the world. At age six he speaks five languages, at age 10 he swims Lake Ontario. Next we have this ‘ Street hustler from Brooklyn ‘ in the Amazon catching crocs with King Leopold III , studying under Einstein , talking fish with the Japanese Emperor Hirohito, and advising Winston Churchill. http://judicial-inc.biz/axelrod.htm
Einen seiner verrücktesten Coups landete er aber wohl in den 60er Jahren, als er zum Amazonas gesandt wurde um einen schwarzen Leoparden für Disney zu fangen: er kaufte einfach zwei Großkatzen, die er schwarz einfärbte. Aber auch in aquaristischen Belangen war er wohl ein kleiner Baron Münchhausen, denn die vermeintlich seltene Fischspezies, die er in den Kanälen vor dem Trinidad-Fluhafen entdeckt haben soll, stellte sich später einfach nur als Glückskauf in einem Zoogeschäft heraus. Herbert R. Axelrod lebt laut einem Update der fritz-reuter.com im Jahr 2007 in Zürich.
Günther Sterbas „Aquarienkunde“
10. Oktober 2009 at 21:29 | In Who is Who | Leave a CommentTags: aquaristik, Günther Sterba, Corydoras sterbai, Aquarienkunde
Letzte Woche habe ich in einem Second-Hand-Laden die Bücher Aquarienkunde I und II von Günther Sterba ergattert. Ich habe ja ein Faible für antiquarische Aquaristikliteratur und da gehören auch Sterbas Werke bereits dazu. Was mich an diesen beiden Bänden ganz besonders beeindruckt, das ist das umfangreiche Basiswissen, das in den meisten Belangen noch nichts an Gewicht verloren hat.
Im ersten Band (der 2. Auflage von 1960) beschreibt Günther Sterba alle Details beginnend von Aufbau und Gestaltung eines Aquariums (damals noch meistens Rahmenaquarien) und zeigt sogar Fotographien der großen Schrankaquarien in seinen eigenen Wohnräumen (z.B. ein ums Eck gebautes Aquarium mit fast 7 Metern Front). Er erläutert weiters die chemischen Abläufe und die relevanten Wasserwerte im Aquarium, sogar ein Kapitel über Gerbstoffe (ein momentan recht aktuelles Thema) hat er beigefügt. Von verschiedenen technischen Dingen geht er schließlich über zu Anatomie und Zucht von Fischen, welches einmündet in einen sehr umfangreichen Teil, der Futtermittel und Futtertiere beschreibt (damals war noch das Tümpeln angesagt). Anschließend erfährt man Wissenswertes über unbekannte Tiere und Pflanzen, die sich oft ungebeten in Aquarien hineinschwindeln und eine Einführung über Algenbekämpfung. Die zweite Hälfte des ersten Bandes ist schlußendlich auf über 170 Seiten den Fischen gewidmet.
Der zweite Band (der 5.Auflage von 1972) beschäftigt sich 120 Seiten lang ausführlich mit Fischkrankheiten – derart explizit hat noch kein Autor diesen Themenbereich in einem Aquaristik-Überblickswerk bearbeitet. Danach erläutert Sterba die Aquarien- und Paludarienpflanzen und er endet mit einem letzten Abschnitt über Riffaquaristik, der mit knapp über 50 Seiten leider nur einen groben Überblick über die salzige Seite der Aquaristik bieten kann.
Bildquelle: Nymphaea Leipzig 1892 e.V. – www.nymphaea-leipzig.de; aus der Festschrift zum 110-jährigen Bestehen des Vereines.
Wer aber war nun Günther Sterba eigentlich? Viele unter uns Aquarianern kennen seinen Namen von bestimmten Fischen, die nach ihm benannt wurden, nämlich Corydoras sterbai (der „Orange-Schönflossenpanzerwels“ oder auch „Netzpanzerwels“). Sterba (Jahrgang 1922) war ein ostdeutscher Zoologe, der an der Universität Leipzig lehrte und Direktor des dortigen Zoologieinstitutes war. In vielen wissenschaftlichen Akademien war er Ehrenmitglied und er belegte das Amt des Vizepräsidenten der FBAS (Federation of British Aquatic Societies). Neben der Aquaristik, die er von 1934 an betrieb, beschäftigte er sich gerne mit Neunaugen und Olivenschnecken (räuberischen marinen Schnecken). Außerdem war er spezialisiert darauf Bilder aus Achatsteinen zu schleifen, ein sehr seltenes Hobby verglichen mit der Aquaristik, die inzwischen Millionen von Menschen rund um den Globus begeistert. Günther Hans Wenzel Sterba hat maßgeblich dazu beigetragen die Aquaristik voranzubringen und zu verbreiten.
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