Sind Zoohändler schlechte Menschen?
18. April 2008 at 18:10 | In Denkwürdiges | 1 CommentTags: böse Menschen, Zoohändler
Soeben bin ich beim googeln über folgende Seite über Rennmäuse gestossen:
http://www.rennmauswalldorf.de/WalldorfZoogesch.html
(In punkto Rennmaus-Haltungsgrundlagen ist die Seite übrigens sehr empfehlenswert.)
Zitat aus einem dort veröffentlichen Leserbrief, von einem Zoohändler (!) verfasst:
„Und glauben Sie mir eins es gibt keinen guten Zoofachhändler!
Das sind alles schlechte Menschen… Und ich kenne viele andere Händler, da ist kein guter dabei. Hinter den Kulissen sind das alle Verbrecher und Tiermörder…“
Ich bin ein wenig schockiert – Zoohändler scheinen ja wirklich Tierfreunde zu polarisieren. Die einen kommen aus Tierliebe zu ihrem präferierten Händler, lassen sich beraten, die anderen sehen in ihm die üble Wurzel jeglicher Tierverachtung. „Der will ja nur Geld und geht dafür über Leichen!“ tönt es von vielen Internetseiten, die sich mit Tierschutzgedanken und Tierhaltung beschäftigen…
Natürlich gibt es auch Schattenseiten im Zoohandel, z.B. der Handel mit Futtertieren, die tatsächlich zumeist aus Massenzuchten kommen und die auch im Zoogeschäft häufig nicht allzu viel Platz zugestanden bekommen, weil sie relativ rasch an den (tierliebenden) Kunden kommen, der seine Reptilien artgerecht ernähren möchte. Aber jeder, der im Zoohandel arbeitet, mußte sicherlich zu diesem Thema schon mit sich selbst ringen – es ist einem nicht egal, glauben Sie mir.
Ja, es stimmt – viele Geschäfte halten bei Nagern die Geschlechter (und oft auch die Tierarten – Meerschweinchen/Kaninchen) nicht getrennt, auch wir nicht, wenn es gerade nicht anders möglich ist. Dies hat aber nicht immer nur den Grund „Platzmangel“ – da wir z.B. nicht automatisch Tiere, die zu groß und somit unattraktiv für viele Kunden wurden, sofort an einen Zoo zur Verfütterung abgeben oder anderweitig „entsorgen“ (im Internet kursieren schlimme Berichte von Tötungen durch Zoohändler zur Verwertung als Gefrierfuttertiere), leben sie in ihrer angestammten Gruppe bis sie verkauft werden. Das macht es auch schwierig Tiere aus neuen Lieferungen zu integrieren, da viele Nager ein komplexes Sozialverhalten haben und neue Artgenossen nicht akzeptieren. Daher sitzt vielleicht auch einmal der eine oder andere Kaninchenrammler vorübergehend im Meerscheinchenkäfig. Naja und zig Käfige haben wir halt auch nicht.
Im übrigen: versichern Sie sich beim Kauf von Weibchen, ob Sie gegebenenfalls Nachwuchs zurückbringen können für den Fall, daß das Tier trächtig ist. In unserem Geschäft ist dies so üblich, vermutlich auch bei vielen anderen Händern.
Einen Punkt aus oben genanntem Link möchte ich aber befürworten: Kaufen Sie keine Tiere aus Mitleid! Kein Zoohändler möchte hinterher einen schlechten Ruf haben – ein seriöser Zoohändler weist Sie darauf hin, wenn er weiß, daß ein von Ihnen ausgesuchtes Tier krank ist und sucht mit Ihnen, wenn gewünscht, Alternativen oder bestellt auch gerne für Sie ein bestimmtes Tier, wenn er es auftreiben kann.
Ich denke, unter Zoohändlern gibt es nicht mehr oder weniger schlechte Menschen wie in anderen Berufszweigen…selbst in Pflegeberufen, bei der Polizei und, ja sogar bei Priestern gibt es schwarze Schafe, aber man sollte nicht alle über einen Kamm scheren. Manchmal hilft es bei Mißständen auch einfach den Händler darauf anzusprechen – niemand kann von außen eruieren, was der Grund für den Mißstand ist. Mit einer höflichen Frage bekommt man vielleicht auch Einblick, was der Grund dafür ist – wie gesagt: nicht alle Zoohändler sind schlechte Menschen. Ich denke – die meisten haben diesen Beruf ursprünglich sogar aus Liebe und Interesse für Tiere gewählt…vielleicht weil sie selbst von Kindesbeinen an Tierfreunde waren und oft immer noch sind…?
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