Eingewöhnungsschock der Superlative.
31. August 2008 at 19:07 | In Grundsätzliches | Leave a CommentTags: aquarienchemie, Eingewöhnungsschock, wasserchemie
Gestern kam eine Kundin mit einer Wasserprobe zu uns. Sie beklagte, daß sie vor einigen Tagen Fische gekauft hatte und ordnungsgemäß nach Anleitung am Beutel eingesetzt hatte, aber leider verstarben aber alle neugekauften Fische bereits am drauffolgenden Tag. Also testete mein Chef die mitgebrachte Wasserprobe und stellte schockiert fest, daß der pH-Wert weit unter 6 abgerutscht war und der Nitratwert bei etwa 250 lag. Er erklärte der Kundin schließlich, was mit den Fischen passiert war: die Dame wohnte in einer Region mit etwas weicherem Ausgangswasser, sie wechselte nur alle 2 Monate die Hälfte ihres Aquarienwassers – durch die seltenen Wasserwechsel stieg der Nitratwert an, wobei bei der Nitrifizierung durch die einhergehende Säurebildung die Karbonathärte und der pH-Wert stetig absanken. Ihre bereits angestammten Fische konnten sich langsam an die sich verschlechternden Wasserbedingungen und den sauren pH-Wert adaptieren – die Fische, die sie bei uns im Laden kaufte und zuhause einsetzte, die hatten nicht die Möglichkeit einer langsamen Anpassung und erlitten einen gewaltigen Eingewöhnungsschock, der mit dem Tod durch die Säurekrankheit einherging.
Die Kundin war perplex: „Ja, aber was kann ich da in Zukunft tun? Ich schütte ja eh´ schon diese Wasseraufbereiter dazu und Wasser wechseln soll man doch auch nicht so oft.“ Mein Chef meinte darauf: „In Ihrem Fall müssen sie sogar besonders oft Wasser wechseln – Sie müssen den Nitratwert herunter bringen und durch häufige Wasserwechsel wieder Karbonathärte ins Aquarium hineinbringen. Am besten Sie wechseln gleich in den nächsten Tagen jeden Tag etwa die Hälfte des Wassers – dann werden sie nach dem ersten Wasserwechsel nur mehr 125 Nitrat drinnen haben und so sollten Sie nach etwa 4 Wasserwechseln an aufeinanderfolgenden Tagen ein Nitratlevel haben, das Sie in Ihrem Aquraium halten sollten.“ „Ja, kann ich denn nicht einfach das ganze Wasser auf einmal tauschen?“ „Nein, das sollten Sie nicht tun.“
Das Wechseln des gesamten Wassers könnte nämlich unter Umständen eine Gasblasenkrankheit verursachen, d.h. es perlt der im Leitungswasser vorhandene Stickstoff dann im Körper des Fisches aus…außerdem würde ein vollständiger Wasserwechsel auch die Wasserwerte so rasch verändern, daß es für die angestammten Fische eine zu starke Belastung wäre. Im allgemeinen sagt man zwar, daß Fische eine plötzliche Erhöhung des pH-Wertes viel besser wegstecken als ein plötzliches Absinken, aber auch das Ansteigen des pH-Wertes kann Risiken bergen, z.B. weil der Leitwert (der entscheidenden Einfluß auf die Nierenfunktion hat) zu rasch ansteigt oder, weil es bei sehr hohen pH-Werten in Vebindung mit im Wasser vorhandenen Ammoniumkonzentrationen zu einer Ammoniakvergiftung kommen könnte.
Wie man sieht – für jeden Aquarianer empfiehlt es sich zumindest ein bißchen über die wasserchemischen Zusammenhänge im Aquarium zu informieren. Im Internet findet man dazu inzwischen schon sehr nützliche und übersichtliche Informationen, z.B.
Andere Läden, andere Sitten…
29. April 2008 at 09:58 | In Denkwürdiges | Leave a CommentTags: Eingewöhnungsschock, Fischbeutel, fische einsetzen, Fischlieferung, Wasser anpassen, Zoohandel
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Quelle: Ute Pelz, pixelio.de
In dem Zooladen, in dem ich arbeite, werden neue Fischlieferungen in ihren Beuteln zum Temperaturangleich in die Verkaufsbecken gehängt. Dabei wird der Beutel angeritzt, sodaß das Wasser des Beutels und das des Aquariums sich langsam vermischen können – der Nachteil dabei: das Transportwasser landet im Becken. Der Vorteil bei dieser Methode ist jedoch, daß die Fische nicht gleich einen Schock durch die veränderten Wasserbedingungen erleiden.
Heute hatte ich Zeitausgleich und machte einen kleinen Bummel in einem nahegelegenen Einkaufszentrum. Im dortigen Zoogeschäft war gerade eine Fischlieferung angekommen, ein Kunde wartete wie ein Kind mit weihnachtsglitzernden Augen auf seinen bestellten Rochen und die Verkäuferinnen sortierten die neuen Fische. Was mich jedoch sehr erstaunte, war die Art und Weise, wie sie die Fische einsetzten: hurtig den Beutel aufgeschnitten und den Inhalt über einem Kescher ausgegossen, mal ging dann ein Fisch daneben und mußte flugs wieder aus dem Waschbecken geholt werden. Dann ging die Verkäuferin mit dem fischvollen Kescher das jeweilige Verkaufsbecken suchen und entleerte diesen direkt hinein. Natürlich hat diese Methode den Vorteil, daß kein Transportwasser ins Verkaufsbecken gelangt, aber ich fand diese Vorgehensweise doch recht krass, weil die Fische ohne Temperatur- oder Wasseranpassung einfach hineingeschmissen werden. Ich meine, da predigt man den Kunden tagtäglich, wie man Fische behutsam und richtig einsetzt, und selbst pflegt man keine Rücksicht auf Verluste? Das finde ich schon sehr seltsam…
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