Wahrscheinlichkeitsberechnungen
22. Juli 2008 at 15:18 | In Denkwürdiges | 3 CommentsTags: Futtertiere, Nagetiere
Quelle: ShoTiMo/ pixelio.de
Wenn du in unserem Laden eine weiße Maus mit roten Augen wärst, so stünden die Chancen, daß du nicht als Futtertier, sondern als Liebhab-Tier endest, etwa 1: 5.000 oder gar noch geringer. Wärst du eine Ratte, so wäre deine Chance ein Streicheltier zu werden zumindest in der Größenordnung von 1:40. Nur wenig besser stünde deine Quote, wenn du eine Vielzitzenmaus wärst – etwa 1:30.
Als Meerschweinchen würdest du vermutlich mit einem Prozentsatz von 75% als Haustier das Geschäft verlassen, als Kaninchen oder Rennmaus vielleicht sogar zu 80-90% und als Hamster zu 95%. Den Volltreffer hättest du gelandet, wenn du als Chinchilla geboren wärst, denn diese gehen ausschließlich als Heimtiere über den Ladentisch, wenn sie uns verlassen. Und weißt du was…selbst, wenn du einem langen Leben als Streicheltier entgegensiehst – es sagt rein gar nichts darüber aus, wie es dir in diesem Leben ergehen wird, ob du Freunde haben wirst oder den ganzen Tag alleine zuhause sitzt, ob man dir regelmäßig zu fressen gibt, wie man dich anpackt und, ob du einen sauberen Käfig haben wirst.
Mit einer „langweiligen“ Fellfarbe oder einem körperlichen Makel sinken deine Chancen auf ein langes Leben beträchlich und es steigt die Wahrscheinlichkeit, daß du als Futtertier endest. Wenn du zu groß wirst, weil du schon länger im Geschäft auf ein neues Zuhause wartest, will dich niemand mehr als Streicheltier – eigentlich komisch, denn du wärst im neuen Heim binnen Wochen ebenso groß gewachsen. Nun bist du sicher sehr froh, daß du kein Nager bist, sondern in Zweibeiner, der eine langweilige Fellfarbe aufpeppen kann, wie er möchte und, der häufig auch trotz einem körperlichen Makel ein angenehmes Zuhause hat…
Futtertiere II
12. April 2008 at 10:47 | In Denkwürdiges, Grundsätzliches | Leave a CommentTags: Futtertiere, Reptilienhaltung, Tierschutz
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Quelle: pariah083/pixelio.de
Laut dem österreichischen Bundesgesetzblatt 2004/Verordnung 486 für Tierhaltung heißt es: „Ist es notwendig Wirbeltiere zu verfüttern, so sind nach Möglichkeit frisch tote Futtertiere zu verwenden.“ Auch in Deutschland dürfen Wirbeltiere eigentlich nicht lebend verfüttert werden, das zeigte erneut der Wirbel um Eisbär Knut, der zu gerne seine Karpfen selbst gefangen hätte. Der Artikel 17 des deutschen Tierschutzgesetzes bestraft jeden, der ein Wirbeltier ohne nötigen Grund tötet, d.h., wenn eine Totverfütterung möglich ist, muß sie der Lebendverfütterung vorgezogen werden.
Es steht einem Reptilienhalter aber nur in Ausnahmefällen zu, daß er Wirbeltiere selbst tötet, weil dafür im Grunde ein Sachkundenachweis vonnöten wäre (d.h. ein veterinärmedizinisches oder zoologisches Studium, eine Jagdkarte, o.ä.). In Deutschland verhält sich die Situation ähnlich: „Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat.“ Aus diesem Grunde bietet der Zoohandel gefrorene Futtertiere an, die auf Körpertemperatur erwärmt und anschließend verfüttert werden. Sowohl die Verfütterung von lebenden als auch von Tiefkühlfuttertieren birgt meiner Ansicht nach Vor- und Nachteile.
Die Tiefkühltiere sind leicht einzulagern, daher können sie auf Vorrat gebunkert werden und ihre Verfütterung entspricht den gängigen Tierschutzbestimmungen. Der Nachteil hingegen ist, daß viele Reptilien Tiefkühlfuttertiere nicht akzeptieren und man selten Tiefkühltiere im Handel erhält, die größer als Ratten sind. Was, wenn die Schlange das Tiefkühltier nicht akzeptiert – man kann es ja nicht einfach wieder einfrieren – ist das nicht ein verschwendetes Leben? Im übrigen konnte ich bis dato nichts über die Produktion und das Tötungsverfahren von solchen Futtertieren in Erfahrung bringen – werden diese wirklich tierschutzkonform aufgezogen und getötet? Oder müssen sie unter laborähnlichen Massenhaltungsbedingungen bis zu ihrer Tötungsreife heranwachsen? Ich weiß es nicht, möchte der Sache aber nachgehen.
Lebende Tiere hingegen haben Stress – beim Kauf und Transport und unter Umständen noch bei der Verfütterung. Mitunter verletzt das Reptil das Tier nur und frißt es nicht, oder es tötet das Tier und frißt es u.U. auch nicht. Zumeist jedoch geht die Verfütterung lebender Tiere gut, denn sie lösen einfach einen klareren Freßreiz beim Reptil aus als ein Tiefkühltier – lebende Tiere ermöglichen es dem Reptil seinen natürlichen Jagd- und Fressgewohnheiten nachzukommen und gewährleisten dadurch das Ausleben natürlicher Verhaltensweisen (Ein carnivores Reptil im Terrarium hat ja sonst nicht viel zu tun…). Ein weiterer Nachteil ist natürlich auch, daß das Futtertier dem Reptil ernste Verletzungen beibringen könnte. Wenn das Reptil darüber hinaus u.U. noch keinen Appetit hat, fehlen oft die nötigen Unterbringungsmöglichkeiten für das Futtertier – das sollte man bedenken und entsprechend vorsorgen.
Ein weitere Punkt, der mich beschäftigt, ist, wenn Reptilienhalter – selten aber doch - lebende Babymäuse im Zooladen bestellen und sie dann nicht nach der Anlieferung gleich abholen – wenn die kleinen Mäuschen dann nicht gleich abgeholt werden, müssen sie qualvoll verenden, da sie keinerlei feste Nahrung annehmen können. Wenn der Zoohändler dann nicht selbst Reptilien vor Ort hat, die die Babymäuse dankbar verspeisen, dann sind das nur weitere vergeudete Leben!
Futtertiere I
11. April 2008 at 15:16 | In Denkwürdiges | 1 CommentTags: Futtertiere, Tierschutz
Quelle: ShoTiMo/pixelio.de
Kürzlich übernahmen wir im Geschäft zwei Kaninchen samt Käfig aus privater Hand, weil das Kind der Besitzer eine Allergie entwickelt hatte. Die Leute trauten sich nicht, die Kaninchen im Tierheim abzugeben, weil sie Angst hatten dumm angeredet und kritisiert zu werden…ihnen ein Plätzchen zu suchen, dauerte den Besitzern wohl zu lange. Etwa 1 Woche nach der Aufnahme der beiden Tierchen, stellte ich fest, daß eines davon verwachsene Zähne hatte – die oberen Nagezähne wuchsen zurück bis an den Gaumen, die unteren standen im Überbiss hervor. Ich teilte dies meinem Chef mit und wir überlegten, es dem Tierarzt, der hie und da in unserem Geschäft Nachschau hält und uns in Krankheitsfällen berät, zu berichten. Allerdings wußten wir nicht, wann dieser das nächste Mal zu uns zur Kontrolle kommen würde, daher wurde das Häschen noch am selben Tag einem Würgeschlangenbesitzer als Futtertier verkauft – es konnte ja auch kaum mehr richtig fressen und war seinem Kumpel gegenüber weit im Wachstum zurück. Ob es Schmerzen hatte, konnten wir auch nicht wirklich einschätzen. Mir tat es allerdings sehr leid um das Kaninchen, denn es war ganz lieb und zahm, aber ich denke mir auch - es wäre nicht korrekt gewesen dem Schlangenbesitzer ein weniger zutrauliches, hingegen völlig gesundes Tier mit zu geben.
Man steckt da wirklich in einem Dilemma…immerhin wäre es auch nicht in Ordnung gewesen, das Kaninchen mit der Zahnfehlstellung einfach einem Kunden aufzuschwatzen und so zu tun als wüßten wir nichts davon- vermutlich hätte das Tier lebenslanger tierärztlicher Betreuung (Zähnekürzen) bedurft, was ja auch eine ziemliche Qual für das Tier und ein Kostenfaktor für die Besitzer ist. Das Tier direkt in die Ordination zu bringen oder gar den Tierarzt extra dafür in den Laden zu bitten, wäre zwar der richtige Weg, aber für einen Zoohändler selten ein finanzierbarer. Man muß bedenken, daß der Zoohändler auch wirtschaftlich denken muß – er hat Familie zu ernähren, muß Personalkosten tragen und die investierten Ausgaben wieder hereinbringen. Nicht zu vergessen die horrenden Betriebskosten, die ein schwerpunktsmäßig auf Aquaristik ausgelegtes Zoogeschäft mit sich bringt.
Das sind die Erfahrungen im Zooladen, die mich jedes Mal sehr mitnehmen und mich beschäftigen – sie sind der kleine schwarze Fleck, der mich an meinem so liebgewonnenen und gerne betriebenen Job im Zooladen ankotzt.
Weitere Probleme, die die Verfütterung und der Verkauf von „Futtertieren“ mit sich bringen, werde ich in weiteren themenbezogenen Episoden erörtern. Das ganze Thema ist recht komplex, sowohl aus ethischem als auch gesetzlichen Blickwinkel.
Wenn Sie, lieber Leser, einen Nager haben, kuscheln Sie ihn jetzt erst mal innig und freuen Sie sich mit, daß ihm das Schicksal eines Futtertieres erspart geblieben ist.
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