Ein Goldfisch für die Blumenvase

6. Dezember 2009 at 21:43 | In Erlebnisse mit Kunden | 2 Comments
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 Quelle: ropefish1/flickr.com

Gestern waren wieder Kunden im Geschäft, die versuchten mir einen Goldfisch für eine Art Glasgefäß zu entlocken. Ich erklärte ihnen, daß Goldfischgläser schon seit Jahren verboten sind und alle Aquarien eigentlich einen Filter benötigen. Dann meinten sie, daß sie ja aber eine Luftpumpe anschließen könnten, ob es dann eventuell ginge. „Nein, natürlich nicht“ sagte ich, „das reicht ja höchstens wenn man darin einmal für ein paar Tage ein paar Babyfische einquartiert oder so.“ Nachdem ich beinhart blieb, kam das Paar wenig später mit einem vermeintlich aquaristisch erfahrenenVerwandten wieder, der auch noch weiter auf mich einreden sollte und Argumente offerierte wie: „Wenn ich einen kranken Fisch habe, muß ich den ja auch irgendwo unterbringen.“ Ich meinte dann: „Ja, wenn es ein ganz kleiner Fisch ist und das nur wenige Tage dauern soll. Und überhaupt von welchen Fisch-Becken-Verhältnissen sprechen wir denn jetzt überhaupt? Wie groß ist das Gefäß und welche Fische hätte sie da angedacht?“ Der Mann zeigte daraufhin auf einen 10-Liter-Nanocube und meinte: „Etwa halb so groß. „ Er hätte sich darin einen Goldfisch oder einen Barsch vorgestellt…ungläubig stierte ich ihn an: „So etwas ist unmöglich! Der Fisch kann sich darin nicht einmal umdrehen. So etwas ist in Österreich seit einigen Jahren verboten.“ Verärgert zog das zum Trio angewachsene Duett schließlich ab – nicht einmal die Unterstützung des vermeintlich aquaristisch erfahrenen Angehörigen konnte mich hier mehr von meinem Standpunkt abbringen. Mich würde es nicht wundern, wenn sie dann ihr Glück noch woanders versucht haben…

Kinder sind grausam

26. August 2009 at 21:14 | In Denkwürdiges | 2 Comments
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Quelle: Fabiana.C/ flickr.com

Heute waren drei Jungs von etwa 10 Jahren bei uns im Laden und wollten, daß ich ihnen eine Packung Heuschrecken verkaufe. Ich habe sie gefragt, wozu sie die denn brauchen, da meinten sie: „Zum Spielen. Und wenn sie dann tot sind, dann können wir sie ja der Eidechse von unserem Freund verfüttern.“ Das war ausreichend für mich um den Burschen erst einmal zu erläutern, daß Tiere kein Spielzeug sind und außerdem würde ich ihnen ohnehin keine Tiere verkaufen, wenn sie keinen Erwachsenen dabei hätten. Darauf sagte der Größte der drei zu mir: „Ja aber letztes Jahr haben wir in diesem Geschäft auch Heuschrecken verkauft bekommen. Außerdem sind das ja solche Tiere, die es auf der Wiese und überall sonst ja auch gibt.“  Ich: „Vermutlich dachte derjenige, der euch die Heuschrecken damals gegeben hatte, auch nicht daran, daß ihr sie zum ´Spielen´verwendet. Und außerdem: wenn es die ja ohnehin überall gibt, wieso geht ihr dann nicht auf die Wiese um welche zu fangen?“  Da meinte der Naseweis doch tatsächlich: „Das ist doch viel zu anstrengend.“ 

Ich denke mir, daß Kinder schon immer eine gewisse Tendenz zum Sadismus hatten, wenn ihre Neugierde und ihr Forschergeist umschlägt in Experimentierfreude und Boshaftigkeit, aber daß die Kinder heutzutage zu faul sind um auf die Wiese zu gehen um Heuhüpfer zu fangen und stattdessen lieber eine 12er-Packung um 4,90 Euro kaufen, das schockiert mich schon ziemlich…also ich weiß nicht recht. Ich habe als Kind schon auch Marienkäfer eingefangen und mit Blattläusen gefüttert, Schnecken mit nach Hause gebracht um Schneckenrennen durchzuführen und hin und wieder habe ich sogar Zucker in den Badezimmerabfluß geschüttert um die Silberfischchen zu füttern, aber mir Tiere zu kaufen um sie „zu Tode zu spielen“, das lag mir fern. Jedenfalls gingen die drei Jungs bei mir heute im Geschäft ohne Heuschrecken nach Hause…

Der Zoohändler als Abstellgleis

4. März 2009 at 20:39 | In Denkwürdiges | 4 Comments
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Immer wieder kommt es vor, daß Leute ihre Fische oder Reptilien nach einer Hobbyauflösung bei uns abliefern, weil das örtliche Tierheim für solche Tiere nicht wirklich ausgestattet ist. Manchmal fürchten Tierhalter auch kritische Kommentare der Tierheimmitarbeiter und suchen deshalb lieber den Zoohandel auf um ungeliebte bzw. nicht mehr gewollte Haustiere abzuladen.

Wenn uns nun ein Halter beispielsweise schöne große Fische aus einer Aquariumauflösung schenkt, so ist beiden Seiten gedient – der Tierhalter kann rasch und unkompliziert sein Aquarium leeren, es weiter verschenken oder verkaufen, und der Zoohändler kann die oft in sehr gutem Zustand befindlichen Tiere zu einem günstigen Preis an Käufer weitervermitteln, da er ja keine Kosten für den Einkauf, sondern lediglich Kosten für die vorübergehende Unterbringung zu tragen hat. Naja gut – bei manchen Fischen machen wir da durchaus ein Minusgeschäft, weil sich beispielsweise für Riesen wie Pacus oder Pfauenaugenbuntbarsche kein Käufer findet und wir sie dann natürlich langfristig behalten müssen.

Auch bei Reptilien und gelegentlich auch bei Nagern kommt es vor, daß Menschen an uns herantreten, ob wir ihre Tiere übernehmen. Sofern wir Aufnahmekapazitäten haben, nehmen wir dann oft auch Tiere aus privater Hand auf. Gestern jedoch machte mein Chef eine sehr denkwürdige Erfahrung mit einem jungen Mann, der ihm etwa 20 Vielzitzenmäuse und zwei Wasseragamen aus seiner Hobbyauflösung in den Laden brachte. Die Vielzitzenmäuse und eine der Wasseragamen konnte er aufnehmen, wenngleich die Wasseragame nicht unbedingt in einem Topzustand zu sein schien und aufgepäppelt werden muß. Viel schlimmer bestellt war es jedoch um die zweite Wasseragame, die an beiden Hinterbeinen offene Brüche aufwies, die sichtlich unbehandelt waren und, wo man bereits durch das nekrotische Gewebe die Knochen hindurch sehen konnte. Da konnte mein Chef nur noch angewiedert ablehnen und dem Tierhalter nahe legen, daß er das Tier so rasch als möglich einschläfern lassen solle. Unfassbar, daß jemand so wenig Verantwortungsgefühl hat, daß er das Tier offenbar schon längere Zeit mit diesen schweren Verletzungen unbehandelt ließ. Man möchte sich die bisherigen Haltungsbedingungen dieser Tiere gar nicht wirklich vorstellen…

Futtertiere II

12. April 2008 at 10:47 | In Denkwürdiges, Grundsätzliches | Leave a Comment
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Quelle: pariah083/pixelio.de

Laut dem österreichischen Bundesgesetzblatt 2004/Verordnung 486 für Tierhaltung heißt es: „Ist es notwendig Wirbeltiere zu verfüttern, so sind nach Möglichkeit frisch tote Futtertiere zu verwenden.“  Auch in Deutschland dürfen Wirbeltiere eigentlich nicht lebend verfüttert werden, das zeigte erneut der Wirbel um Eisbär Knut, der zu gerne seine Karpfen selbst gefangen hätte. Der Artikel 17 des deutschen Tierschutzgesetzes bestraft jeden, der ein Wirbeltier ohne nötigen Grund tötet, d.h., wenn eine Totverfütterung möglich ist, muß sie der Lebendverfütterung vorgezogen werden.

Es steht einem Reptilienhalter aber nur in Ausnahmefällen zu, daß er Wirbeltiere selbst tötet, weil dafür im Grunde ein Sachkundenachweis vonnöten wäre (d.h. ein veterinärmedizinisches oder zoologisches Studium, eine Jagdkarte, o.ä.). In Deutschland verhält sich die Situation ähnlich: „Ein Wirbeltier töten darf nur, wer die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat.“   Aus diesem Grunde bietet der Zoohandel gefrorene Futtertiere an, die auf Körpertemperatur erwärmt  und anschließend verfüttert werden. Sowohl die Verfütterung von lebenden als auch von Tiefkühlfuttertieren birgt meiner Ansicht nach Vor- und Nachteile.

Die Tiefkühltiere sind leicht einzulagern, daher können sie auf Vorrat gebunkert werden und ihre Verfütterung entspricht den gängigen Tierschutzbestimmungen. Der Nachteil hingegen ist, daß viele Reptilien Tiefkühlfuttertiere nicht akzeptieren und man selten Tiefkühltiere im Handel erhält, die größer als Ratten sind. Was, wenn die Schlange das Tiefkühltier nicht akzeptiert – man kann es ja nicht einfach wieder einfrieren – ist das nicht ein verschwendetes Leben? Im übrigen konnte ich bis dato nichts über die Produktion und das Tötungsverfahren von solchen Futtertieren in Erfahrung bringen – werden diese wirklich tierschutzkonform aufgezogen und getötet? Oder müssen sie unter laborähnlichen Massenhaltungsbedingungen bis zu ihrer Tötungsreife heranwachsen? Ich weiß es nicht, möchte der Sache aber nachgehen.

Lebende Tiere hingegen haben Stress – beim Kauf und Transport und unter Umständen noch bei der Verfütterung. Mitunter verletzt das Reptil das Tier nur und frißt es nicht, oder es tötet das Tier und frißt es u.U. auch nicht. Zumeist jedoch geht die Verfütterung lebender Tiere gut, denn sie lösen einfach einen klareren Freßreiz beim Reptil aus als ein Tiefkühltier – lebende Tiere ermöglichen es dem Reptil seinen natürlichen Jagd- und Fressgewohnheiten nachzukommen und gewährleisten dadurch das Ausleben natürlicher Verhaltensweisen (Ein carnivores Reptil im Terrarium hat ja sonst nicht viel zu tun…). Ein weiterer Nachteil ist natürlich auch, daß das Futtertier dem Reptil ernste Verletzungen beibringen könnte. Wenn das Reptil darüber hinaus u.U. noch keinen Appetit hat, fehlen oft die nötigen Unterbringungsmöglichkeiten für das Futtertier  – das sollte man bedenken und entsprechend vorsorgen.

Ein weitere Punkt, der mich beschäftigt, ist, wenn Reptilienhalter – selten aber doch - lebende Babymäuse im Zooladen bestellen und sie dann nicht nach der Anlieferung gleich abholen – wenn die kleinen Mäuschen dann nicht gleich abgeholt werden, müssen sie qualvoll verenden, da sie keinerlei feste Nahrung annehmen können. Wenn der Zoohändler dann nicht selbst Reptilien vor Ort hat, die die Babymäuse dankbar verspeisen, dann sind das nur weitere vergeudete Leben!

 

Futtertiere I

11. April 2008 at 15:16 | In Denkwürdiges | 1 Comment
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Quelle: ShoTiMo/pixelio.de

Kürzlich übernahmen wir im Geschäft zwei Kaninchen samt Käfig aus privater Hand, weil das Kind der Besitzer eine Allergie entwickelt hatte. Die Leute trauten sich nicht, die Kaninchen im Tierheim abzugeben, weil sie Angst hatten dumm angeredet und kritisiert zu werden…ihnen ein Plätzchen zu suchen, dauerte den Besitzern wohl zu lange. Etwa 1 Woche nach der Aufnahme der beiden Tierchen, stellte ich fest, daß eines davon verwachsene Zähne hatte – die oberen Nagezähne wuchsen zurück bis an den Gaumen, die unteren standen im Überbiss hervor. Ich teilte dies meinem Chef mit und wir überlegten, es dem Tierarzt, der hie und da in unserem Geschäft Nachschau hält und uns in Krankheitsfällen berät, zu berichten. Allerdings wußten wir nicht, wann dieser das nächste Mal zu uns zur Kontrolle kommen würde, daher wurde das Häschen noch am selben Tag einem Würgeschlangenbesitzer als Futtertier verkauft – es konnte ja auch kaum mehr richtig fressen und war seinem Kumpel gegenüber weit im Wachstum zurück. Ob es Schmerzen hatte, konnten wir auch nicht wirklich einschätzen. Mir tat es allerdings sehr leid um das Kaninchen, denn es war ganz lieb und zahm, aber ich denke mir auch - es wäre nicht korrekt gewesen dem Schlangenbesitzer ein weniger zutrauliches, hingegen völlig gesundes Tier mit zu geben.

Man steckt da wirklich in einem Dilemma…immerhin wäre es auch nicht in Ordnung gewesen, das Kaninchen mit der Zahnfehlstellung einfach einem Kunden aufzuschwatzen und so zu tun als wüßten wir nichts davon- vermutlich hätte das Tier lebenslanger tierärztlicher Betreuung (Zähnekürzen) bedurft, was ja auch eine ziemliche Qual für das Tier und ein Kostenfaktor für die Besitzer ist. Das Tier direkt in die Ordination zu bringen oder gar den Tierarzt extra dafür in den Laden zu bitten, wäre zwar der richtige Weg, aber für einen Zoohändler selten ein finanzierbarer. Man muß bedenken, daß der Zoohändler auch wirtschaftlich denken muß – er hat Familie zu ernähren, muß Personalkosten tragen und die investierten Ausgaben wieder hereinbringen. Nicht zu vergessen die horrenden Betriebskosten, die ein schwerpunktsmäßig auf Aquaristik ausgelegtes Zoogeschäft mit sich bringt.

Das sind die Erfahrungen im Zooladen, die mich jedes Mal sehr mitnehmen und mich beschäftigen – sie sind der kleine schwarze Fleck, der mich an meinem so liebgewonnenen und gerne betriebenen Job im Zooladen ankotzt.

Weitere Probleme, die die Verfütterung und der Verkauf von „Futtertieren“ mit sich bringen, werde ich in weiteren themenbezogenen Episoden erörtern. Das ganze Thema ist recht komplex, sowohl aus ethischem als auch gesetzlichen Blickwinkel.

Wenn Sie, lieber Leser, einen Nager haben, kuscheln Sie ihn jetzt erst mal innig und freuen Sie sich mit, daß ihm das Schicksal eines Futtertieres erspart geblieben ist.

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