Wassertests
26. September 2008 at 13:27 | In Grundsätzliches | 4 CommentsTags: Tropfentests vs Streifentests, wasserchemie, Wassertests
Quelle: Fischtante
Also mich wundert es nicht, daß die meisten Leute ihr Aquarienwasser nur mit den als „Ratestäbchen“ titulierten Streifentests überprüfen. Gestern testete ich nämlich einmal mit dem großen Testkoffer meiner Schwester die Wasserwerte in meinem Aquarium durch und ich habe mich schon ein wenig geärgert, nicht nur, weil das ganze recht zeitaufwendig ist, sondern weil ich tatsächlich bezweifle, daß die Tests in ihren Ergebnissen genauer sind als die Streifen.
Warum ich zu dieser Ansicht komme? Nein, ich hadere nicht damit, daß die Tropfentests unzureichend geeicht wären – sie messen definitiv exakt, aber das Problem, das ich sehe ist der Vergleich der Proben mit den Farbkarten. Ich empfand es als äußerst schwierig einzelne Testergebnisse auf den mitgelieferten Farbskalen abzulesen, z.B. der JBL Nitrattest: eine Katatrophe – da hast du eine gelbliche Probe und sollst auf den unzähligen gelblichen Farbfeldern das richtige Gelb bestimmen. Ja, und da beginnt das Problem, denn die wässrig-durchsichtige, gelbstichige Probe ist unmöglich wirklich genau mit einer Farbfläche auf Papier abzugleichen, zumal die einzelnen gelben Farbfelder im Farbton nur ganz wenig voneinander abweichen (sie unterscheiden sich eher in der Farbintensität). Da kann man dann nur raten. Ich habe meine subjektive Farbeinschätzung dann mit der Einschätzung der Probe durch meine Schwester abgeglichen – ich schätze die Farbe ein klein wenig dunkler ein als sie, aber natürlich ließ ich mich gerne von ihr überzeugen, denn das bedeutete dann, daß mein Nitratwert zwischen 10 und 20 situiert war, anstatt darüber…
Wie handhabt ihr das? Seid ihr notorische Nichttester, Streifentester oder Tropfentester?
Eingewöhnungsschock der Superlative.
31. August 2008 at 19:07 | In Grundsätzliches | Leave a CommentTags: aquarienchemie, Eingewöhnungsschock, wasserchemie
Gestern kam eine Kundin mit einer Wasserprobe zu uns. Sie beklagte, daß sie vor einigen Tagen Fische gekauft hatte und ordnungsgemäß nach Anleitung am Beutel eingesetzt hatte, aber leider verstarben aber alle neugekauften Fische bereits am drauffolgenden Tag. Also testete mein Chef die mitgebrachte Wasserprobe und stellte schockiert fest, daß der pH-Wert weit unter 6 abgerutscht war und der Nitratwert bei etwa 250 lag. Er erklärte der Kundin schließlich, was mit den Fischen passiert war: die Dame wohnte in einer Region mit etwas weicherem Ausgangswasser, sie wechselte nur alle 2 Monate die Hälfte ihres Aquarienwassers – durch die seltenen Wasserwechsel stieg der Nitratwert an, wobei bei der Nitrifizierung durch die einhergehende Säurebildung die Karbonathärte und der pH-Wert stetig absanken. Ihre bereits angestammten Fische konnten sich langsam an die sich verschlechternden Wasserbedingungen und den sauren pH-Wert adaptieren – die Fische, die sie bei uns im Laden kaufte und zuhause einsetzte, die hatten nicht die Möglichkeit einer langsamen Anpassung und erlitten einen gewaltigen Eingewöhnungsschock, der mit dem Tod durch die Säurekrankheit einherging.
Die Kundin war perplex: „Ja, aber was kann ich da in Zukunft tun? Ich schütte ja eh´ schon diese Wasseraufbereiter dazu und Wasser wechseln soll man doch auch nicht so oft.“ Mein Chef meinte darauf: „In Ihrem Fall müssen sie sogar besonders oft Wasser wechseln – Sie müssen den Nitratwert herunter bringen und durch häufige Wasserwechsel wieder Karbonathärte ins Aquarium hineinbringen. Am besten Sie wechseln gleich in den nächsten Tagen jeden Tag etwa die Hälfte des Wassers – dann werden sie nach dem ersten Wasserwechsel nur mehr 125 Nitrat drinnen haben und so sollten Sie nach etwa 4 Wasserwechseln an aufeinanderfolgenden Tagen ein Nitratlevel haben, das Sie in Ihrem Aquraium halten sollten.“ „Ja, kann ich denn nicht einfach das ganze Wasser auf einmal tauschen?“ „Nein, das sollten Sie nicht tun.“
Das Wechseln des gesamten Wassers könnte nämlich unter Umständen eine Gasblasenkrankheit verursachen, d.h. es perlt der im Leitungswasser vorhandene Stickstoff dann im Körper des Fisches aus…außerdem würde ein vollständiger Wasserwechsel auch die Wasserwerte so rasch verändern, daß es für die angestammten Fische eine zu starke Belastung wäre. Im allgemeinen sagt man zwar, daß Fische eine plötzliche Erhöhung des pH-Wertes viel besser wegstecken als ein plötzliches Absinken, aber auch das Ansteigen des pH-Wertes kann Risiken bergen, z.B. weil der Leitwert (der entscheidenden Einfluß auf die Nierenfunktion hat) zu rasch ansteigt oder, weil es bei sehr hohen pH-Werten in Vebindung mit im Wasser vorhandenen Ammoniumkonzentrationen zu einer Ammoniakvergiftung kommen könnte.
Wie man sieht – für jeden Aquarianer empfiehlt es sich zumindest ein bißchen über die wasserchemischen Zusammenhänge im Aquarium zu informieren. Im Internet findet man dazu inzwischen schon sehr nützliche und übersichtliche Informationen, z.B.
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